Pünktlich um 8 Uhr standen wir auf dem Hinterhof bei Sunpath Mongolia, unserem Touranbieter, und warteten gespannt was passierte. Durch unsere eigene Odyssee am Vortag waren Eva und ich schon etwas verunsichert was uns nun erwarten würde. Das Schlimmste wäre eine klassische Touristentour ohne Flair, das Zweitschlimmste wären nervige Mitreisende. Zum Glück trat keine dieser beiden Katastrophen ein. Und soviel sei schon mal vorweg genommen: die sensationelle Tour war das absolute Highlight unserer bisherigen Reise mit vielen Wow-Momenten, die wir mit tollen Menschen teilen konnten.

Schon beim Betreten des Zuges fiel uns alten Transsib-Hasen eine entscheidende Änderung zu den bisherigen Fahrten auf: um uns herum wurde Englisch, Spanisch und (natürlich) Deutsch gesprochen. Ab Irkutsk scheint die Transsib tatsächlich eher in Touristenhand zu sein und nicht mehr so häufig von Einheimischen genutzt zu werden. Unsere Mitfahrer diesmal: zwei Dänen, die wir schon auf der Fähre vom Baikalsee gesehen hatten.

Im Gegensatz zu den bisherigen Transsibfahrten hatten wir dieses Mal die zweite statt der dritten Klasse gebucht. Dadurch gab es zumindest etwas Abwechslung, da wir nun ein luxuriöses Viererabteil bezogen. Schmarrn, eigentlich gab es keine großen Unterschiede zur 3. Klasse. Die Betten schienen etwas länger, da es längs des Ganges keine Betten mehr gab. Und man konnte seine Vierkabine verschließen, ob das ein Vor- oder Nachteil ist hängt stark von den Mitfahrern ab. Da der Zug der bisher älteste war mit dem wir reisten müssen wir nun doch nochmal ein Klischee aus der  Mottenkiste kramen: auf die wenigen Steckdosen im Gang stürzte sich tatsächlich alles, was in irgendeiner Weise Strom benötigte. Der Gang entwickelte sich zu einem einzigen großen Kabelkanal, da die Insider natürlich ihre Verteilerdosen bis in das eigene Abteil verlegten.

Mittlerweile fühlten wir uns schon wie alte Transsib-Hasen und der gleiche Ablauf wiederholte sich ja auch immer wieder: Pass- und Ticketkontrolle, einsteigen, erneute Pass- und Ticketkontrolle, Bettwäsche empfangen und Bett herrichten. Diesmal hatten wir keine durchgängigen Reisebegleiter, sondern wechselnde Bekanntschaften. Zwei junge Russinnen, von denen eine ganz interessiert an uns und unserer Herkunft war, die Andere gefühlte 6 Stunden kerzengerade und ohne sich anzulehnen auf ihrem Platz saß und stur geradeaus schaute. Erst als das Licht im Zug gedimmt wurde holte sie ein Buch hervor und begann zu lesen ... irgendwie schräg.

Hinter der Stahltür erstrahlte die Rezeption unseres Hostels in modernem Look. Nach dem etwas „einfachen“ Moskauer Hostel waren wir doch einigermaßen positiv überrascht. Neben der Rezeption befand sich die Küche, die gleichzeitig als Aufenthaltsraum dient. Eine Toilette Männlein, eine Toilette Weiblein (gleichzeitig Dusche für alle) und zwei große Schlafräume: ebenfalls sauber getrennt in Männer- und Frauenbereich. Hmm, darüber hatten wir uns bei der Buchung nicht wirklich Gedanken gemacht. Aber ok, hier hieß es also für mich wie früher im Ferienlager: der Holden gute Nacht wünschen und in den verschwitzten, schnarchenden Jungsschlafsaal verschwinden. Im Schrank verstecken war für mich keine Option, da dieser erstens nur aus einem 50x30cm großen Schließfach bestand und zweitens unsere Rezeptionistin Helena ein wachsames Auge (Kamera) auf alles hatte.

Als sich eine Traube an Menschen mit riesigen Gepäckstücken plötzlich in Bewegung setzte, wussten wir, dass irgendetwas geschehen war. Ein Blick auf die Anzeigetafel genügte, um zu sehen, dass neben der Ankunftszeit unseres Zuges nun auch das Gleis zu sehen war. Wir folgten der Menge nach draußen und sahen endlich unseren Zug in dem wir die nächsten knapp 30 Stunden verbringen würden. Erster Eindruck: Unspektakulär ... kein Orient Express, ein üblicher Personenzug.

Alex war ein sehr netter Gastgeber. Er erklärte uns die Metro, die Taxen und Busse ... im Grunde das gesamte Transportsystem in Moskau und Russland.

Endlich ist der Tag gekommen: Mit einem Billigflug nach Moskau beginnt am 01.08.2019 unsere, hoffentlich spannende und ereignisreiche, Reise um die Welt. Da wir beide wissen, dass eine Nacharbeitung aller Fotos, Erlebnisse und Eindrücke wahrscheinlich ein weiteres Jahr dauern würde, versuchen Eva und ich mit diesem Blog alles etwas zeitnaher zu sortieren. Hauptsächlich für uns selbst, aber auch für alle, die über unsere Zwischenstationen in den kommenden Monaten informiert werden möchten.