Hinter der Stahltür erstrahlte die Rezeption unseres Hostels in modernem Look. Nach dem etwas „einfachen“ Moskauer Hostel waren wir doch einigermaßen positiv überrascht. Neben der Rezeption befand sich die Küche, die gleichzeitig als Aufenthaltsraum dient. Eine Toilette Männlein, eine Toilette Weiblein (gleichzeitig Dusche für alle) und zwei große Schlafräume: ebenfalls sauber getrennt in Männer- und Frauenbereich. Hmm, darüber hatten wir uns bei der Buchung nicht wirklich Gedanken gemacht. Aber ok, hier hieß es also für mich wie früher im Ferienlager: der Holden gute Nacht wünschen und in den verschwitzten, schnarchenden Jungsschlafsaal verschwinden. Im Schrank verstecken war für mich keine Option, da dieser erstens nur aus einem 50x30cm großen Schließfach bestand und zweitens unsere Rezeptionistin Helena ein wachsames Auge (Kamera) auf alles hatte.
Doch bevor wir unseren verdienten Schlaf bekamen wurden wir noch herzlich an den Gemeinschaftsküchentisch gebeten. Besonders mit Max plauderten wir noch bis in die Nacht in Google-Engrusslisch. Von ihm erfuhren wir, dass auch in diesem Hostel eigentlich nur Langzeitbewohner lebten. Er selbst arbeitet aktuell bei einer Bank. Sein Traum ist es aber als Softwareentwicklung bei Kaspersky einzusteigen und irgendwann einmal ein Appartement zu kaufen. Eva und ich wissen nicht genau, ob dieser Wunsch wirklich realistisch ist und wie viele Menschen genau aus diesen Gründen vielleicht über Jahre hinweg auf eigenen Wohnraum und Privatsphäre verzichten.
Stichwort Privatsphäre: Die wird einem minimal auch im Schlafsaal durch einen eigenen Vorhang, eigene Leselampe und (ganz wichtig) eigene Steckdose gegönnt. Eigentlich ein prima System, zumindest für Urlauber wie uns. Noch kurz über WhatsApp eine wohlige Nacht gewünscht und tief und fest geschlafen … denkste. Zumindest ich lag bis 4 Uhr Ortszeit wach, wahrscheinlich begünstigt durch mein ständiges Powernappen in der Transsib. Ebenfalls nicht schlaffördernd: der Zeitunterschied von 3 Stunden zu Deutschland. Also hier und da nochmal gechattet und in jeder Gruppe einen dummen Kommentar hinterlassen ehe der Schalter dann endgültig auf Off kippte.

Das Frühstück am nächsten Morgen konnten wir als Einzige entspannt angehen, alle anderen mussten ja zur Arbeit und hasteten an uns vorbei. Evas Handy vibrierte im Minutentakt: Anton sendete uns einen Tipp nach dem anderen. Wir traten nun auch etwas aufs Gas und nahmen die Metro in die Innenstadt. Erfreulicherweise gibt es hier nur eine U-Bahnlinie, falschfahren also fast nicht möglich. In Jekaterinburg gibt es die sogenannte „Red Line“. Ein knapp anderthalbstündiger Rundgang durch die Stadt, der viele wichtigen Sehenswürdigkeiten miteinander verbindet… sinnvollerweise mit einer roten Linie auf dem Boden markiert. Ein kleiner Adventureanteil ist dabei enthalten, verliert sich die Linie hin und wieder in Baustellen … oder auch einfach mal so.
Jekaterinburg ist eine wunderschöne Stadt. Eine tolle Mischung als alten, teilweise restaurierten und modernen Häusern. Es gibt grüne Parks und der Fluss Isset ist allgegenwärtig und wirkt wie ein Ruhepol. Der Blick vom Vysotsky Tower … atemberaubend. Hier merkten wir auch zum ersten Mal, dass wir in einer Millionenstadt waren. Im Gegensatz zur Metropole Moskau (zugegeben kein fairer Vergleich) geht es hier erfreulich kleinstadt'ig zu.


Zu Mittag aßen wir Pelmeni, leckere Teigtaschen gefüllt mit allem Möglichen. Unseren virtuellen Reiseführer Anton konnten wir nochmal zu einem kurzen Plausch in das Restaurant überzeugen. Anscheinend ist der Englischunterricht an den Schulen nicht besonders gut. Für Russen wie ihn, die viel und gerne auch ins Ausland reisen, besteht die Notwendigkeit sich selbst zu kümmern und weiterzubilden.


Am Abreisetag verließen wir gegen 11 Uhr unsere Unterkunft und freuten uns nun auch wieder auf die nächste (gemeinsame) Schlafmöglichkeit in Novosibirsk. Da unser Zug erst um 18 Uhr startete, hatten wir noch etwas Zeit und fuhren mit dem Bus zum See Shartash am östlichen Rand der Stadt. Mit beiden Rucksäcken und Daypacks viel zu raumgreifend für den voll beladenen, klapprigen Minibus verfolgten wir das Bezahlverfahren der Einheimischen. Die 25 Rubel werden brav von einem Fahrgast zum nächsten durchgereicht, der Fahrer klimpert alles während der Fahrt in eine Tupperdose, hupt parallel dazu noch mindestens drei Autos an und reicht das Wechselgeld zurück, was wieder bis zum Ende des Busses durchgereicht wird. Das Prinzip kennt man sonst nur von der Hüttengaudi beim Aprés Ski, es funktioniert auch hier.

Burger King erwies sich erneut als optimale Anlaufstelle um auf den Zug zu warten und wir verbrachten die Zeit damit uns näher mit unserem nächsten Ziel zu beschäftigen: Novosibirsk.

Kommentare
Freue mich, Euren Weg mitzuerleben:)
Liebste Grüße von Steph
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