Alex war ein sehr netter Gastgeber. Er erklärte uns die Metro, die Taxen und Busse ... im Grunde das gesamte Transportsystem in Moskau und Russland.
Es gibt für alles eine spezielle App, die aber sehr gut miteinander kombinierbar sind. Mit der transportübergreifenden Chipkarte Trojka kann man bequem in Bus und U-Bahn unterwegs sein - für wenig Geld. Einmal gezahlt um ins U-Bahn-System zu kommen kann man dort beliebig oft hin und herfahren. Und das könnte sogar sinnvoll sein, wenn man bedenkt, wie wunderschön die Moskauer Metro-Stationen gestaltet wurden. Gerade die älteren Stationen im Zentrumring versprühen den Charme majestätischer Schlösser.


Doch zurück zu den Apps. Klar, Google Maps kennt und nutzt jeder, aber Eva überraschte mich mit einer Fülle weiterer Apps, die ich zu installieren hatte. Kurz vor der Reise hatte Sie ein Buch über eine Weltreise eines jungen Mannes gelesen, der mit einer Masse an Tipps glänzte. Auch mir legte Eva mehrmals nah, dieses Buch zu lesen ... bei einem "mache ich definitv noch" ist es jedoch geblieben
Egal, nun besitzt mein Handy auch folgende Fähigkeiten:
- MAPS.ME - Kartensystem, dass beim Reinzoomen Detailkarten herunterlädt und offline nutzbar macht
- Splid - Finanzverwaltung für mehrere Personen (die Ausgaben im Blick zu haben hilft ungemein)
- Währung plus - Währungsumrechner, logo
- Airbnb - Buchung von Unterkünften (auch Zimmer in privaten Wohnungen)
- Booking.com - ebenfalls für Unterkünfte (sehr kulante Stornierungsbedingungen)
- OneDrive - gemeinsamer Zugriff auf Cloud-Speicher
Durch Alex gesellten sich noch folgende Apps hinzu:
- Y.Taxi - Yandex Taxi-App für gesamt Russland
- Y.Transport - Yandex Transport-System, ebenfalls fürs gesamte Land
- Y.Metro - Yandex U-Bahn für die Moskauer Metro
Doch die in der ersten Woche bisher wichtigste App ist tatsächlich der Google Translator. Wenn die Kommunikation mit Händen und Füßen nicht mehr ausreicht ist der Google Translator die letzte Rettung. Ob einfach mal ein Hinweisschild auf der Straße oder ein komplettes Gespräch führen, die App wird einfach als Kamera oder Mikrofon hingehalten und erledigt den Rest. Mittlerweile bekommen wir sogar Buchungen auf rein russischen Seiten zu Stande. Einer lädt die Seite auf dem Handy, der andere hält den Übersetzer darüber. Das funktioniert überraschend gut. Ach ja, Internet ... ebenfalls ein Tipp von Alex. Für jeweils nicht mal 10€ gönnten wir uns beide eine lokale SIM-Karte für 30 Tage mit unbegrenztem Surf-Volumen. Das hilft schon mal ziemlich weiter.
Nach dem ganzen technischem Geplauder wollen wir uns aber wieder der Stadt zuwenden. Als Ausgangspunkt der Transsibirischen Eisenbahn haben wir Moskau eher als Bonus betrachtet und uns nicht wirklich vorher damit beschäftigt. Das erledigten wir nun vor Ort und klapperten die wichtigsten Touri-Stationen ab.
Bolschoi-Theater

Roter Platz mit Kreml und Basilius-Kathedrale

Kaufhaus GUM von innen ...

... und von außen

Aber auch die nähere Umgebung unseres Wohngebietes wollten wir kennen lernen. Bei Tag sah doch alles etwas freundlicher aus, als in der Nacht unserer Anreise. Zwischen den einzelnen Hochhausblöcken sind moderne Spielplätze für Kinder angelegt, nebenan direkt die Erwachsenenversionen mit Fitnessgeräten. In den Häuserschluchten kann man sich ordentlich verlaufen, was uns natürlich direkt passierte, als wir selbstbewusst bis in den 5. Stock gefahren sind um dort festzustellen, dass der Flur doch irgendwie anders aussah als bei Alex. Unser Key für die Haustür funktionierte also nicht nur bei unserem Hauseingang.

Bei Alex blieben wir nur zwei Nächte, da wir uns für die Abreise mit der Transsib eine andere Unterkunft näher am Bahnhof gesucht hatten. Ein letztes Frühstück und dann sagten wir dem Wohngebiet leb wohl.



Wie erwähnt lag Unterkunft Nummer 2 etwas näher am Bahnhof. Über den Vorraum irgendeines Amtes holten wir uns die Erlaubnis in den Hinterhof eines heruntergekommenen Häuserblocks zu gelangen, in dem unser Hostel liegen sollte. Ja, man muss hier wirklich häufig seinen Reisepass vorkramen. Wir wussten bereits, dass man sich von einer nicht gerade einladend aussehenden Stahltür nicht abschrecken lassen sollte. Somit betraten wir froh endlich angekommen zu sein das Hostel. Leider erwartete man uns dort nicht und gab uns (wieder per Google Übersetzer) zu verstehen, dass das zwar der Name und die Anschrift des Hostels sei, man aber gar nicht über Airbnb anbieten würde. Hmm, so ganz verärgert waren wir darüber eher nicht, da neben der Stahltür auch der Rest des Hostels nicht wirklich einladend aussah. Also wieder raus, der Damen vom Amt erklärt, dass unsere Registrierung irgendwie sinnlos war und wieder raus in den Moskauer Regen. Im nebenan gelegenen Café blieben wir erstmal ein paar Stunden und berieten uns. Die Airbnb Hotline war freundlich und hilfsbereit. Während Eva verhandelte suchte ich schonmal die nächste Unterkunft heraus. Ein "private room without window" klang super. Also fix gebucht und hoffentlich von Airbnb den etwas höheren Preis des Zimmers ersetzt bekommen.
Also Rucksäcke geschultert und auf dem Weg zu Daria. Daria entpuppte sich als ein wenig gesprächiger (zumindest uns gegenüber) Mann mittleren Alters, der eine Pension in einer Wohnung unterhielt. Hier gab es neben Aufenthaltsraum, Bad und Küche zwei große Schlafzimmer, Männlein und Weiblein sauber voneinander getrennt und den besagten "private room", Tadaa:

Und ja, das ist alles was man sieht. Hervorragend gelöst ist der Schutz vor Klaustrophobie mittels simulierter Fenstergardine, dahinter: Wand. Aber immerhin hatten wir Privatsphäre. Etwas später erfuhren wir, dass es anscheinend üblich ist, dass Menschen in diesen Schlafräumen für längere Zeit wohnen um Miete zu sparen. Wir wunderten uns darüber, dass sich anscheinend jeder in diesem Hostel kannte und manch einer bereits früh vor der Glotze auf dem Sofa lag.
Auch hier blieben wir zwei Nächte und deckten uns am Vorabend der Abreise mit Instantnudeln, Brot, Käse und Salami ein. Wodka wurde mir von Eva und (man höre und staune) der russischen Bahngesellschaft verboten. Alkohol ist in der Transsib (theoretisch) nicht erlaubt; Für das erste Teilstück bis Jekaterinburg halten wir uns erstmal widerwillig daran. Trotz der späten Abfahrtszeit (13:50 Uhr) steuerten wir gleich früh am 05.08. den Bahnhof an. Zum Glück hatten wir vorher bereits ausgekundschaftet von welchem Bahnhof die Transsib starten würde. Es gibt nämlich derer drei gedrängt an einem riesigen Platz. Die Zeit verbrachten wir bei Burger King. Hervorragende Wahl: Essen, Toiletten, Kaffee und Sitzen ... die Grundbedürfnisse eines Wartenden werden erfüllt.

Wir sind sehr froh ein paar Impressionen aus Moskau mitzunehmen. Aber die Größe der Stadt hat uns etwas erschlagen. Wir freuen uns auf die kommenden, kleineren Städte wie Jekaterinburg (mit "nur" 1,4 Mio. Einwohnern
). Auf zur Transsib ...
