Nach einer elendig langen Busfahrt erreichten wir Pokhara abgekämpft und erschöpft. Immerhin fanden wir unser Hotel fast auf Anhieb und die netten Gastgeber zeigten uns ein schönes, geräumiges Zimmer. Uns hat es sofort gefallen und wir bereiteten den Hotelier schon mal darauf vor, dass wir nach unserer Trekkingtour hier gern wieder einchecken würden. Dieser Deal ermöglichte uns auch, einen großen Teil unseres Gepäcks in einem Abstellraum des Hotels zu lagern, so dass Eva und ich am nächsten Morgen jeweils mit leichten 7 kg auf dem Buckel in unser Bergabenteuer starteten. Unser Guide Arjun (gespr.: Arßun) holte uns mit dem Taxi direkt vom Hotel ab und los ging die knapp 2 stündige Fahrt nach Nayapul, dem Startpunkt unserer Route.

Wir entschieden uns für eine waghalsige Kombination aus dem Poon Hill, dem Annapurna Basecamp und dem Mardi Himal Trek. Ein paar Tage vor Beginn der Hauptsaison starteten wir unsere Tour, das bedeutete in unserem Fall: Nebel und Regen. Den stärksten Schauer beobachteten wir geschützt unter einem Vordach bei der Prüfung unserer Permits, die uns den Aufenthalt hier in den Bergen erlaubten. Für den Trek benötigte man sowohl eine allgemeine Trekkinglizenz als auch eine spezielle für das Annapurnagebiet, beides wurde von Arjun bereits in Kathmandu erledigt. Die ersten Kilometer fühlten sich erst einmal nur wie ein langer Spaziergang an.

Kurz vor Ende der ersten Tagesetappe meinte Arjun: "Jetzt nur noch eine Stunde aufwärts, dann sind wir da". Dieses "Aufwärts" stellte sich als Endlostreppe dar, die wir uns während des wieder aufkommenden Regenschauers hinaufquälten. An der Nummer war nun tatsächlich nix mehr schönzureden. Man will endlich ankommen, mehr nicht. Hier machte sich nun auch der etwas zu flotte Schritt unseres Guides bemerkbar und wir erreichten vollkommen erschöpft unser Guesthouse. Den "flotten Schritt" haben wir noch am Abend angesprochen und für die gesamte weitere Reise fand Arjun das perfekte Tempo für uns.

Wir hatten für die erste Nacht ein richtiges Zimmer mit eigenem Bad. Es gab zwar nur a...kaltes Wasser, aber immerhin. Die meiste Zeit des Abends verbrachten wir im Aufenthaltsraum mit einem Glas heißem Lemon Tea, der Entdeckung auf dieser Reise. Ausgestattet mit einem großen Ofen, der mit einem Gestell für die nasse Kleidung umbaut wurde ließ es sich gut aushalten. Da weder Aufenthaltsraum noch die Zimmer geheizt werden waren wir dennoch warm eingemummelt. Dass wir unser modisch fragwürdiges "Wohlfühloutfit" (lange Unterbuchse, kurze Hose und Adiletten) für die komplette Reise beibehalten sollten war uns hier noch nicht wirklich klar.

Auch lernten wir, dass zwar alle Mahlzeiten im Preis unserer Reise enthalten waren, aber alles andere Extra kostet. Naja, die Preise waren in Ordnung, deshalb fiel das nun weniger ins Gewicht. Nach einer gemütlichen Nacht erklärte uns Arjun, was wir alles von unserem Zimmerfenster hätten sehen können ... wäre da nicht der Nebel. Super, es bleiben ja immerhin noch ein paar Tage. Bis auf die kalte Dusche und die nicht vorhandene Heizung entsprach unser Zimmer eigentlich allem was ein richtiges Hotelzimmer auszeichnet. An diesen Zeilen kann man schon erahnen, dass es so natürlich nicht bleiben wird. Dazu später mehr ...

Ein "normaler" Wandertag beginnt mit dem Frühstück. Ich versuchte mich die ersten Morgen mit dem Amerikanischen Frühstück in den Tag zu futtern. Schnell bemerkten wir aber, dass die Speisekarten der Guesthouses sich inhaltlich im Grunde kaum unterscheiden und es auch egal ist, was man früh morgens in sich rein schaufelt. Ich folgte bald Evas Beispiel und orderte fast jedes Mal gegrillte Kartoffeln in einer herzhaften Sauce, extrem lecker und unglaublich sättigend. Danach geht's logischerweise ans Wandern. Hat man einen längeren Abschnitt vor sich, gibt es zwischendurch nochmal Mittagessen, ist es nur ein kurzer Weg oder ist man besonders schnell unterwegs (ja, das waren wir tatsächlich hin und wieder) gibt es das bereits im Ziel-Guesthouse. Danach vertreibt man sich die Zeit bis zum Abendessen und geht danach ins Bett. Wenn es gut läuft ergeben sich bei der ganzen Warterei schöne Gespräche mit anderen Reisenden oder man spielt etwas am Handy herum. Für 1 bis 3€ kann man sich manchmal sogar WiFi gönnen, die Qualität ist aber oft unterirdisch, so dass es für uns nur selten Sinn gemacht hat.

Neben dem bereits angesprochenen "normalen" Wandertag gibt es die "Peak-Tage". Im Grunde entspricht dies einem "normalen" Wandertag nur beginnt dieser meist bereits gegen 4 Uhr in der Früh. Es wird mit leichtem Gepäck im Dunkeln auf einen Gipfel oder zu einem Viewpoint gekraxelt, um von dort den Sonnenaufgang zu genießen. Hat man sich dann satt gesehen geht's wieder zurück zum Guesthouse und man pfeift sich müde und ausgelaugt das Frühstück rein. Der Rest ist dann business as usual, also Wandern cool

Auf der gesamten Tour erreichten wir drei dieser Viewpoints: Poon Hill, Annapurna Base Camp und Mardi Himal. System erkannt? Richtig, im Grunde besteht eine Trekkingroute aus einem Weg zum Viewpoint und dem gleichen Rückweg, in günstigen Fällen kann man eine andere Rückroute wählen. Hier haben wir auch den Grund, warum ich unbedingt mehrere Touren kombinieren wollte. Die Chancen auf tolle Aussichten sind höher und man bekommt durch die Kombination der Treks so etwas wie einen Rundweg ... naja, wenn man schon mal hier ist. Ja es gab Tage an denen mich Eva für meine ehrgeizige Reiseplanung verfluchte, aber ich sag es nochmal: Wenn man schon mal hier ist.

Hier übrigens ein paar Eindrücke unserer Unterkünfte:

Wer nun beim Lesen dieser ersten Zeilen Angst bekommt hier die Entwarnung: Es folgt keine Abhandlung der einzelnen 13 Tage. Eine gewisse Chronologie muss trotzdem gewahrt werden, damit sich der Sinn erschließt.

Tief in der Nacht starteten wir nun zur Besteigung des Poon Hills, unseres ersten Gipfels. Der Sternenhimmel verriet es bereits: Es könnte klappen mit der guten Sicht. Vor dem Aufstieg muss man übrigens noch an einer kleinen Holzhütte ein Ticket kaufen, was einem 10 Meter weiter am Beginn der Treppenstufen von einem Kontrolleur wieder abgenommen wurde. Da kommt man sich schon etwas veräppelt vor, wenn man das mühsam in die Fototasche verfrachtete Ticket keine 5 Sekunden später wieder rauskramen muss. Der Aufstieg hier ist nun wahrlich keine Heldentat, wir passierten dennoch den ein oder anderen japsenden, mit Trekkingstöcken klappernden Frühaufsteher. Wie sollte es auch anders sein tummeln sich auf dem Viewpoint so einige Touristen, aber die Plattform ist groß genug, dass man sich nicht in die Quere kommt. Der Blick in Richtung des Sonnenaufgangs bietet eine tolle Aussicht über das Wolkenmeer.

Trotzdem ist es eher die Gegenrichtung, die für die Meisten hier oben genau das offenbart, was sich alle erhoffen. Aus der Dunkelheit erheben sich langsam die imposanten Umrisse der mächtigen Berge des Annapurnamassivs. Ein überwältigender Anblick, der kaum in Worte und noch weniger in Bilder zu fassen ist.

Als die weißen Riesen komplett von der Sonne beleuchtet wurden zogen auch schon bereits die ersten größeren Wolkenmassen auf und verdeckten große Teile. Wir sollten in den weiteren Tagen lernen, dass es anscheinend morgens meistens klar ist und danach sehr schnell wieder zuziehen kann. Dafür steht man doch gern früh auf. Irgendwann froren uns dann aber die Hände fast ein und wir entschieden uns den Rückweg zu Guesthouse und Frühstück anzutreten. Erstaunlicherweise kamen uns auf dem Weg nach unten noch weitere keuchende Aussichtswillige entgegen, die wir mit einem "you are almost there, it's worth it" zum weiterlaufen motivieren mussten. Dass die Aussicht nun nicht mehr ganz so schmuck war, wie eine Stunde zuvor verschwiegen wir dabei netterweise.

Mit tollen Bildern in der Kamera und im Kopf schmeckte uns das Frühstück nochmal so gut und der heiße Kaffee wärmte uns wieder auf. Wir hatten nun eine zweitägige Wanderung vor uns, um auf den Annapurna Basecamp Trek zu gelangen. Dieser ist einer der am häufigsten gelaufenen Treks in Nepal. Unsere Sorge, dass die Route auch bereits zu Beginn der Hauptsaison überlaufen sein könnte wurde teilweise bestätigt. Trotzdem wollten wir uns die unglaubliche Aussicht natürlich nicht entgehen lassen. Außerdem hatten wir mit dem Dritten im Bunde, dem Mardi Himal Trek, einen deutlich weniger frequentierten Abschluss unserer Reise vorgesehen ... es konnte also losgehen.

Auf den Wanderungen sieht man so Einiges. Pferde, Esel und Mulis, die Lebensmittel, Kochgeschirr, also alles was zum Leben benötigt wird, transportieren. Riesige Ziegenherden, die aus den Bergen in die Städte getrieben wurden - alle für die Festlichkeiten. Wir nahmen an, dass vielleicht traditionelle "wer-hat-die-schönsten-Ziegen" Wettkämpfe ausgetragen würden. Aber nein, Arjun versicherte uns, dass alle Ziegen in den nächsten Tagen auf dem Speiseplan der feiernden Nepalesen stehen sollten. Und wir begegneten einer Unmenge von Tieren. Hier war uns das ein oder andere Mal die Gewalt gegen die zum Tode verurteilten Geschöpfe etwas zuwider. Klar, Ziegenhirte ist mit Sicherheit kein einfacher Beruf. Warum aber ein Herdentier, dass mal kurz anhält um an einem Strauch zu knabbern aus kürzester Distanz einen faustgroßen Stein direkt ins Gesicht geklatscht bekommt ist uns unklar: Es sind Herdentiere, die folgen eh der Masse undecided

Die allgemeine Stimmung erreichte mit dem Guesthouse in Sinuwa bereits am 4. Tag ihren absoluten Tiefpunkt. Dafür gab es so einige Gründe. Zum Ersten hatten wir einen der längsten Wandertage hinter uns gebracht. Weiterhin hatte in der letzten halben Stunde ein Regenschauer eingesetzt, so dass wir bis auf die Knochen durchnässt waren. Immerhin gibt es ja in den Aufenthaltsräumen Öfen um sich und die Kleidung zu trocknen. Ha, weit gefehlt: Ab einer gewissen Höhe gibt es keine Öfen mehr. Voll bepackt und etwas bedröppelt mussten wir unsere nassen Klamotten wieder mit auf's Zimmer nehmen. Ach ja, das Zimmer: Aufgrund einer Überbelegung blieb uns nichts anderes übrig als einen Nebenraum zu beziehen, der unserer Meinung nur als Notunterkunft dienen konnte. In so einer Not steckten wir anscheinend und somit betraten wir den legendären "Room Nr. 9":

Das Fenster ist hier tatsächlich nur ein Loch im Wellblech, welches man immerhin mit einem anderen Blech verschließen konnte.

Es war nass, es war kalt und wir wussten: Morgen geht es wieder in die selben Klamotten. Dabei kann eigentlich nur ein Bild wie dieses heraus kommen:

Da wir genau dieses Guesthouse ein weiteres Mal bei unserem Rückweg ansteuern wollten buchte uns Arjun direkt ein "richtiges" Zimmer. Witzigerweise durfte dann ein nettes spanisches Pärchen, dass wir unterwegs hin und wieder trafen, unseren Room Nr. 9 bewohnen. Als wir ihnen erklärten, dass wir da auch bereits durch mussten, lachten wir alle herzhaft ... Eva und ich etwas herzhafter.

Hätten wir keinen Guide dann hätten wir uns um die ganze Organisation, wie z.B. das Buchen der Unterkünfte selbst kümmern müssen. Nach den Erlebnissen mit der Überbelegung kein schöner Gedanke. Außerdem wären wir dann nicht Zeuge der Fürsorglichkeit eines Guides geworden. Es ist nämlich grundsätzlich so, dass ein Guide für seine Reisegruppe im Guesthouse den Komplettbetreuer gibt. Er ist Ansprechpartner, nimmt Bestellungen auf, serviert Getränke und das Fresserchen. In unserem Fall gab es als Nachtisch immer noch einen klein geschnittenen Apfel als Dessert ... süß. Dieses Rundumsorglospaket war für uns etwas gewöhnungsbedürftig, immerhin haben wir irgendwann mal gelernt eine Bestellung selbst aufzugeben oder unser Geschirr abzuräumen, aber ok. Hin und wieder beobachteten wir interessiert, wie (vor allem chinesische) Reisegruppen einen Guide wie einen Leibeigenen behandelten. Lustig zu sehen, wie die Guides irritierte Blicke und das ein oder andere verschmitzte Lächeln untereinander austauschten, als ein chinesischer Tourist vehement Fragen zum Essen stellte, die dann doch mehr oder weniger selbsterklärend waren. Wir hoffen mal, dass diese Touristen viel, viel Trinkgeld zahlen. Um hier nicht wieder in "chinesisches Touristenbashing" abzudriften sei gesagt, dass wir uns sehr entspannt mit einer Fünfergruppe unterhielten, die sehr freundlich und zugänglich war. Dass das Gespräch erst damit begann, dass ich eine der beteiligten Damen rügen musste, da sie einfach unseren köstlichen Lemon Tea ausgesüffelt hatte ändert nichts daran: Ein interessantes Gespräch, in dem wir erfuhren, dass neben dem Guide der Gruppe jeder der fünf Chinesen einen eigenen Porter hatte. Auf Nachfrage bestätigte uns Arjun, dass die Rechnung ganz klar ist: Ein Porter schleppt das Zeug für 2-3 Nicht-Chinesen oder eben für einen Chinesen.

Das sehr gute Essen hatten wir ja bereits angesprochen. Neben den "Grilled Potatoes" konnte man hier richtig gute Pizza, Nudeln mit Thunfisch und die bereits aus Kathmandu bekannten Momos bekommen. Viel, deftig und lecker. Das Highlight ist aber das traditionelle Dal Bhat, welches wir uns regelmäßig gönnten. Von dem Reisgericht, das mit Linseneintopf und unterschiedlichstem Gemüse zu einer schmackhaften Pampe vermanscht wird, ernähren sich die Guides und Porter hier jeden Tag, mittags und abends. Ein Grund dafür mag sein, dass man regelmäßig Besuch vom Koch bekommt, der die unterschiedlichen Bestandteile aus riesigen Töpfen immer wieder auf den eigenen Teller schaufelt ... es gibt Nachschlag bis man platzt. Kein Wunder, dass es in Nepal T-Shirts mit der Aufschrift "Dal Bhat Power, 24 Hour" zu kaufen gibt.

Bleiben wir noch etwas bei unseren Unterkünften: Zumeist sind die Aufenthaltsräume eher effizient eingerichtet. Hier und da wird aber auch Wert auf ein wenig Dekoration gelegt. Ob das wollige Etwas in folgendem Bild nun aus dekorativen Gründen installiert wurde, einen bestimmten Zweck erfüllen sollte, direkt dort verendet ist oder alles zusammen konnten wir uns aber nicht zusammenreimen. Ein verschwommenes Foto war uns der nicht identifizierbare Wuschelpuschel aber dennoch wert.

Für alle, die die Matratzen bemerkt haben: Wenn die Hütten ausgebucht sind schlafen die Guides und Porter einfach überall. Um einer jungen Nepalesin die als Guideanwärterin mit einer anderen Gruppe unterwegs war die etwas unangenehme Unterkunft zu ersparen durfte sie in unser 3-Zimmer-Loft einziehen. Wir hatten nicht mal erwartet überhaupt ein Anrecht auf ein eigenes Zimmer zu haben und trotzdem fragte man uns mehrfach, ob das für uns ein Problem sei. Klar, wo sollen denn sonst unsere Rucksäcke liegen wink Für diese minimale Geste erhielten wir einen netten Abschiedsbrief und ein fröhliches "hope to see you again". Und ja, ihre "Hoffnung" wurde erhört, man sieht sich immer mehrmals in den Bergen. Es ist eh ein entspanntes Miteinander auf dem Trek: Gefühlt kennt hier jeder jeden, die Guides und Porter halten im Vorbeigehen ein kurzes Schwätzchen. Aber auch unter den Touristen trifft man oft immer wieder die Selben, da sich die Tagesrouten doch eher gleichen.

Das hier angesprochene MBC ist übrigens das Machhapuchhre Base Camp. Es ist die letzte Unterkunft vor dem Annapurna Base Camp, welches wir aber auf Grund der Auslastung nicht beziehen konnten. Kein Problem, da das MBC selbst ebenfalls idyllisch gelegen ist. Nur der frühmorgendliche Start zum Viewpoint sollte natürlich etwas länger dauern. Der Machapuchare (oder auf Machhapuchhre) ist übrigens der Berg, der im Mittelpunkt unseres dritten Treks, des Mardi Himal stehen sollte.

Das Annapurna Base Camp erreichten wir mal wieder im frühen Morgengrauen. Anders als auf dem Poon Hill gibt es hier keine ebene Fläche, sondern man steht am Rand eines riesigen Gletschertals. Nicht ungefährlich, aber hey, was so richtige Abenteurer sind... Und wie könnte es anders sein: die Aussicht haut einen aus den stinkenden Trekkingschuhen. Arjun gab sich redlich Mühe die ganzen umgebenden 8- und 7-Tausender immer und immer wieder gebetsmühlenartig zu benennen. Wir hatten aber genug damit zu tun alle Eindrücke in uns aufzusaugen. Übrigens beginnen bei den Nepalesen "Berge" erst wenn eine 7 davor steht. Alles andere sind maximal "Peaks" (Spitzen) ... verrückt dieses Nepal.

Der Blick zur Seite offenbart das Ausmaß aller selfie-willigen Berggucker:

Für unsere Nachbarn hatten wir hier aber nun gar keine Augen, die Berge versetzen einen in eine Trance, aus der man nicht wieder herausgerissen werden möchte. Kurz vorm Abstieg zum MBC gehört natürlich das offizielle "Wir-Waren-Hier"-Foto zum guten Ton.

Wer hier aufmerksam gelesen hat kennt nun den weiteren Ablauf: Im MBC gab es Frühstück und der lange Weg zurück wurde angetreten. Immerhin diesmal bei strahlendem Sonnenschein. Diesen hatten wir nun, da wir so ziemlich bei der Halbzeit unserer spaßigen Rundreise angekommen waren noch gar nicht allzu oft gesehen. Der Weg zum ABC war durch Regen und Nebel geprägt, gerade Nachmittags ergoss sich meist ein übler Schauer. Nachfolgend mal ein Bild von dem selben Baum - links auf dem Hinweg, rechts auf dem Rückweg vom ABC, nur drei Tage später.

Natürlich strahlten auch die Nebelschwaden eine mystische Stimmung aus, gerade in den Etappen durch den dichten Regenwald. Oft genug hatten wir so das Gefühl direkt am Rand der Welt zu laufen. Doch Sonnenschein und eine Aussicht wie die folgende ist dann doch irgendwie erstrebenswerter.

Als letzten Step auf dem Annapurna Basecamp Trek belohnten wir uns mit den heißen Quellen Jhinu. Arjun erzählte uns, dass man dort super im heißen Wasser rumgammeln und dabei sein Bier oder Grog trinken könne. Damit hatte er auch absolut Recht, nur ... dass wir die Einzigen waren, die sich sofort mit zwei Hülsen Dosenbier in die warme Brühe hockten. Naja, wenn wir schonmal da sind smile Arjun baute sich aus Rum und dem heißen Zufluss einen leckeren Grog. Das Wasser sollte man zwar eigentlich nicht direkt trinken, aber hey ... der Rum erledigt das schon. Das Bild entstand übrigens etwas später am Abend, als sich der Naturpool dann doch merklich füllte. Wir freuten uns noch über Ruhe und unseren Freiraum.

Nach diesem Badespaß ging es nun auf das Verbindungsstück vom Annapurna Basecamp zum Mardi Himal Trek. Erst während der Wanderung erfuhren wir, dass unser Guide anscheinend diesen Verbindungsweg gemeinsam mit einem Freund erst entdeckt und genau für solche Zwecke nutzbar gemacht hatte. Einfacher wurde es dadurch trotzdem nicht. Nach knapp 3 Stunden Wanderung begann der eigentliche Härteteil des Tages: Nochmal 3 Stunden ausschließlich bergauf. Das war eine beispiellose Knüppelei. Bergauf heißt, wie so oft in Nepal, nicht nur Stufe um Stufe zu erklimmen. Die Stufen (Wurzeln, Gesteinsbrocken, etc.) sind oft dermaßen hoch, dass man sein Knie fast bis zu den Ohren reißen muss. Drei Stunden Trekking-Martyrium endeten im lauschigen Forest Camp des Mardi Himal. Hier gab es neben dem besten Dal Bhat unserer gesamten Tour auch eine der interessantesten Gesprächsrunden. Mit einer Tibeterin und einem Nepalesen, die beide in den USA leben und ihrem Freund, der zuerst einen Teppichhandel und nun eine Trekkingagentur leitete ergab sich eine emotionale Diskussionen darüber, wie denn eigentlich das weibliche Yak in Tibet oder Nepal genannt würde. Überraschenderweise hatte ich mir vorher diese Frage noch nie gestellt. Mit Ang Tsherin Sherpa hatten wir anscheinend auch einen bekannten Künstler am Start, dessen Bilder uns sogar auf seinem kleinen Handydisplay begeistert hatten (http://www.tsherinsherpa.com/painting-spirits.html). Eine sehr sympatische Truppe, die wir natürlich auf dem Gipfel noch einmal wiedertreffen sollten:

Der Mardi Himal Trek hat uns als eigentliche Wanderung am besten gefallen. Der Weg ist abwechslungsreich und führt durch dichten Regenwald über baumfreie Bergkämme zu den schneebedeckten Gipfeln.

Der Machapuchare (auf Grund seiner Form auch als "Fishtail" bezeichnet) gilt als Sitz des "Buddhas des grenzenlosen Lichts" und ist bei den Einheimischen heilig. Seit den 60er Jahren gibt es ein Besteigungsverbot, tatsächlich sei es wohl noch niemandem offiziell gelungen den Gipfel des "Fishtail" zu erklimmen. Seine markante Form zieht während des gesamten Mardi Himal Treks immer wieder die Blicke auf sich. Auf dem letzten Viewpoint unserer Route durften wir diesen wunderschönen Anblick aus direkter Nähe betrachten.

Die letzten beiden Tage verbrachten wir mit dem wenig knieschonendem Abstieg. Unsere letzte Unterkunft war eigentlich bereits wieder in der "Zivilisation", ein richtiger Ort mir richtigen Unterkünften. Es gab kostenlosen Strom, WiFi und am wichtigsten: Eine Warme Dusche ... der absolute Luxus. Auf so etwas hatten wir nun 12 Tage gewartet. Am Abend konnten wir einen letzten Blick auf den Sonnenuntergang über den Bergen genießen.

Der Abschluss bildete eine kurze Wanderung ins Tal und eine Taxifahrt zurück nach Pokhara. Einerseits waren wir glücklich endlich wieder ein richtiges Hostelzimmer zu beziehen und unsere Tage wieder selbst zu bestimmen, andererseits fehlte uns dieser gewohnte Tagesablauf aber schon etwas. Dieses Gefühl, diesen majestätischen Bergen so nah zu sein werden wir wahrscheinlich nie wieder vergessen. Genau wie die Nässe, Kälte und die Schmerzen im Knie. Aber genau das gehört in Nepal zusammen: Die Berge muss man sich erarbeiten.

Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen in Pokhara verabschiedeten wir Arjun. Nach fast 2 Wochen gemeinsamer Erlebnisse ein eigenartiges Gefühl. Ab nun müssen wir unseren Weg wieder selbst finden ... und unseren Äpfel selbst in Stückchen schneiden.

Unsere Qualitäten als Videofilmer haben sich im Laufe der Reise noch nicht wesentlich verbessert, aber wir versuchen es weiterhin:

 

Kommentare   

0 #1 Annett und Martin 2019-12-27 14:07
Klasse Reisebericht, bitte unbedingt weiter führen.
Sind aus der Ferne eure ständigen Begleiter.
Liebe Grüße
Zitieren

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren