Bei der Ankunft am Flughafen in Kathmandu mussten wir uns erstmal wieder daran gewöhnen, dass hier die Uhren anders ticken. Sowohl im wörtlichen (Nepal hat eine wilde Zeitzone von GMT+5:45) als auch im übertragenen Sinne: Der Bearbeiter bei der Beantragung unseres Visa-On-Arrival machte doch tatsächlich einen Witz. Ein Beamter der einen Witz machten konnte, das mussten wir nach knapp 4 Wochen China erstmal verarbeiten. Als dann auch noch auf dem kompletten Flughafen für ein paar Sekunden der Strom ausfiel und die Ankunftshalle in Dunkelheit tauchte, gab es fröhliches Geplapper und einen Beifallssturm als das Licht wieder anging. Jup, hier mögen wir es.
Da uns das Bussystem auch nach sorgfältigster Recherche etwas undurchsichtig erschien gönnten wir uns den Pick Up Service vom Hostel. Kurz nachdem wir den Flughafen verlassen wollten quatschte uns natürlich ein Taxifahrer an:
"Where you want to go?"
"Oh, we have a pickup, thank you!"
"What hotel?"
(hier kam nun mein Fehler ... ich antwortete) "Thamel Hostel"
"Thamel, Thamel" (greift sich nachdenklich ans Kinn) "I know them, I think they will not come today"
Hier war unsere Geduld aufgebraucht, auf so eine dreiste Nummer hatten wir keinen Bock und wir beendeten das Gespräch auf der Stelle. Konnten wir doch durch die Scheibe bereits die unzähligen Schilder der Pick-Up-Fahrer sehen. Mit einem spöttischen Grinsen wünschte er uns "try your luck" und suchte sich neue Opfer. Glück war das Letzte was wir brauchten, nur gute Augen. Nach ein paar Minuten fanden wir unseren Fahrer, der uns durch den verrückten Verkehr in Kathmandu manövrierte. Dass dabei hier nicht ständig Unfälle passieren ist eigentlich ein Wunder. Diesen Gedanken hatten wir gerade auf der Rücksitzbank ausgetauscht da passierte es: Wir touchierten eine querschießende Mopedfahrerin, die aus dem Gleichgewicht kam und strauchelte. Sofort war ein Polizist zur Stelle und wir beobachteten eine heftige Diskussion zwischen allen drei Beteiligten. Für die anderen Verkehrsteilnehmer ist Gaffen anscheinend nicht so moralisch verwerflich wie für uns und jeder glotzte und lachte beim Vorbeirollern. Nach ein paar Minuten ging die Fahrt, anscheinend ohne Konsequenzen für irgendwen, weiter und wir quetschten uns durch die engen Gassen in Thamel, dem touristischen Teil der Stadt.

Unser Hostel war nur mäßig gemütlich. Der dunkelgrüne Anstrich und die versifften Ventilatoren vermittelten wenig Charme. Aber für zwei Nächte sollte es passen, danach wollten wir mit dem Bus nach Pokhara und von dort eine Trekkingtour starten. Nach langer Bedenkzeit entschieden wir uns dazu einen Guide anzuheuern. Für China hätten wir gelegentlich gern mal jemanden dabei gehabt, der uns einige Erklärungen für Land und Leute hätte geben können. In Nepal wollten wir darauf nicht verzichten, obwohl man die Touren auch gut allein bewältigen kann. Somit kümmerten wir uns bereits in China um die Organisation. Die Preise für geführte Touren, die man im Internet findet sind abstrus hoch. Ich schrieb ein paar Guides persönlich an und erhoffte mir so weitere Informationen.
Der Durchbruch kam aber über Couchsurfing. Und hier schließt sich nun auch der Kreis zum Titel dieses Artikels. Als Couchsurfing-Neulinge versuchten wir so an günstige Unterkünfte zu kommen. In Nepal haben sich auf unsere Anfragen hauptsächlich Tourguides angeboten, die zwar nicht mit einem Schlafplatz aber mit einer Trekkingtour dienen konnten. Besonders mit Surendra kamen wir dabei etwas länger ins Gespräch und er bot uns eine 13-tägige Tour mit Guide an. In Kathmandu trafen wir uns mit ihm beim Lunch und er entpuppte sich als perfekter Stadtführer. Er führte uns zum Swayambunath oder auch Monkey-Temple mit der großartigen Aussicht über die Stadt bei Nacht. Den Abend ließen wir dann mit Live-Musik in einem Club ausklingen. Als Surendra ein Taxi ordern wollte sollten wir auf der anderen Straßenseite warten. Er meinte: "Sobald Taxifahrer Ausländer sehen gibt's Ausländerpreise" ... auch ein Geschäftsmodell.




Kathmandu ist hektisch, staubig, laut und voll ... aber auch spannend und exotisch. In unzähligen kleinen Rooftop-Restaurants kann man das Verkehrschaos unter sich lassen und entspannt das gute und günstige Essen genießen. In den Straßen reiht sich ein Outdoorladen an den Nächsten, manchmal so klein, dass man in dem Gewirr von Schlafsäcken und Daunenjacken zu ersticken droht. Es ist hier wirklich alles auf den Trekkingtourismus ausgelegt. Ich weiß gar nicht, wie oft wir in den Straßen angesprochen wurden mit: "You wanna go trekking?". Aber auch das viel leisere: "You wanna smoke something?" kam uns des Öfteren zu Ohren.
Unser leicht schäbiges Hostel bot ein überraschend gutes Frühstück auf der Dachterrasse. Grund genug mal wieder ein Suchbild einzubauen: Wo ist Paul? Zugegeben ist das diesmal deutlich einfacher als das letzte "Wo-Ist-Eva"-Rätsel ![]()

Die Küche lernten wir sofort zu schätzen: Verschiedenste Currys, knuspriges Naan-Brot, das traditionelle Dal Bhat und gefüllte Teigtaschen, frittiert oder gekocht, sogenannte Momos, ließen unser kulinarisches Herz höher schlagen. Den Rat Surendras in Nepal grundsätzlich lieber "no spicy" zu bestellen befolgten wir. Das Linsen-Reis-Gericht Dal Bhat sollte ein regelmäßiger Begleiter auf unserer Trekkingtour in die Berge werden.

Wir hatten einen kompletten Tag in Kathmandu und ich bin ehrlich: Das war uns genug. Mit dem "VIP-Bus" ging es für knapp 10$ pro Persion auf die 6-8 stündige Fahrt nach Pokhara ins Annapurnagebiet. Eva entschied sich bei der Buchung extra für das um einen Dollar teurere Busunternehmen, da dieses für die lange Fahrt WiFi bot. Nachdem wir den Busbegleiter nach dem Passwort fragten, lachte er nur und meinte "no WiFi" ... soviel zum Thema Geschäftsmodell. Immerhin sammelt man viele interessante Eindrücke während der Fahrt.

Die Straßen in Nepal haben diese Bezeichnung eigentlich nicht verdient und da gerade ganz Nepal wegen des Dashain-Festivals in Bewegung war ging es nur im Stop-And-Go aus der Stadt. Für die ersten 30 der insgesamt 200 km benötigten wir bereits 4 Stunden. Danach wurde es besser aber am Ende erreichten wir Pokhara erst nach fürchterlichen 11 Stunden. Die Schlaglöcher ließen uns aus unseren Sitzen fliegen, vor allem da wir Plätze in der hintersten Reihe zugewiesen bekamen. Das "Fliegen" ist hier tatsächlich wörtlich zu nehmen. Die ersten Jumps sind noch lustig, aber nach einer stundenlangen Fahrt kann man irgendwann nichts Spaßiges mehr daran finden. Ein großgewachsener Pole auf dem Sitz neben mir rammelte sich bei einer besonders hohen Flugeinlage sogar an der oberen Gepäckablage seine Rübe. Ich war so froh die schlimmste Busfahrt meines Lebens überstanden zu haben ... zumindest die schlimmste bis zu unserer Rückreise nach Kathmandu knapp zweieinhalb Wochen später.
Hier noch ein paar kurze Einblicke in den Stadtverkehr. Die Sequenzen erscheinen mir im Nachhinein viel zu entspannt. Aber in den richtig stressigen Situation holt man auch nicht die Kamera heraus sondern versucht nur zu überleben.
