Die beiden Nationalparks Huangshan und Zhangjiajie streiten darum, welcher denn nun tatsächlich für den Avatar-Film Pate stand. Laut Regisseur James Cameron sind es eigentlich die gelben Huangshan-Berge, aber ganz offiziell benennt Zhangjiajie einfach seine Berge so. Wir wollten nun prüfen, wer in unserem Ranking vorn liegen wird.
Mit dem Expresszug ging es zuerst nach Changsha. Interessant wurde es als der Zug irgendwann stoppte, alle Passagiere aufstanden und wie wild an den Sitzbänken herum fummelten:
Weiter ging es also nun in die Gegenrichtung. In Changsha mussten wir erstmal von einem Bahnhof zum anderen gelangen. Changsha'Nan und Changsha'Bei, eines von beiden heißt Süd und eines Mainstation … ich komme da immer wieder durcheinander. Changsha hat zum Glück eine Metro, also alles easy. Unseren Anschlusszug haben wir dann unpünktlich 3 Stunden zu spät besteigen dürfen. So eine Verspätung hatten wir nur dieses eine Mal in China, sonst hatte eigentlich alles fast minütlich gepasst. Für uns änderte sich wenig, da wir nun statt 3 Uhr nachts eben 6 Uhr früh in Zhangjiajie ankommen sollten. Da wir eh keine Unterkunft gebucht hatten hätten wir so oder so eine Bahnhofsnacht gehabt. So durften wir in Changsha immerhin die längsten Staubwedel der Welt bewundern.

Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichten wir mäßig ausgeschlafen Zhangjiajie. Erster Stopp: McDonald's. Nach dem Frühstück stellten wir unser Gepäck in unserem kleinen Hostel ab und wanderten zur Cable Car Station, die sich mitten in der Ortschaft befindet. OK, auch hier leben 1,5 Millionen Menschen (Stand 2010), aber die Relationen sind in China einfach anders ... alles wirkt hier kleinstadtiger. Die mit 38 Minuten längste Seilbahnfahrt der Welt führte uns zuerst über die Dächer der Stadt. Nach ein paar Minuten ging es dann ins Gebirge und rauf auf den Mount Tianmen oder Tianmenshan. Der Tianmenshan gehört nicht direkt zum Nationalpark, hat uns aber dennoch ziemlich beeindruckt. Leider lag er die ersten Stunden komplett im Nebel.

Die sicherlich spektakulären "Sky Walks", also Glasbodenwege über dem Abgrund, haben dadurch etwas an Faszination verloren ... ist ja quasi wie Geisterbahnfahren mit geschlossenen Augen. Je später es wurde desto öfter riss der Nebel aber auf und gab den großartigen Blick auf die schroffen Felswände frei. Ragen diese aus dem Nebelmeer hervor fühlt man sich tatsächlich wie ein Bewohner Pandoras.

Abwärts ging es dann auf der längsten Rolltreppe der Welt, die um genau zu sein, aus vielen einzelnen Rolltreppen besteht. Knapp 20 Minuten dauerte die Fahrt, an deren Ende sich das Himmelstor und die Himmelstreppe befinden. Alles ziemlich beeindruckend und alles ziemlich voll.

Achja: Zuerst fragten wir uns auch, was das mit dem T-Shirt soll. In China scheint es üblich zu sein, dass viele Männer ihre Plautze präsentieren, sobald ein paar Sonnenstrahlen den Ranzen kitzeln. Man gewöhnt sich an den Anblick.
Mit dem Bus ging es dann die 99 Kurven der Serpentinenstraße, die wir auch schon aus großer Höhe bewundert hatten, wieder nach Zhangjiajie zurück.

Von Zhangjiajie ging es am nächsten Morgen mit dem Bus in den Bezirk Wulingyuan, der direkt am Eingang des Parks liegt. Die ganze Ortschaft scheint in den letzten Jahren voll auf den Tourismus des Parks ausgelegt worden zu sein. Noch im Bau befindliche Hotelanlagen und hübsche, aber wenig authentische Gassen voller Hostels prägen das Stadtbild. Naja, es geht ja um den Park, den wir gleich am ersten Tag besuchen wollten. Der Eintritt ist vergleichsweise happig, die 240 Yuan (rund 30 Euro) gelten zwar für ein 4-Tages-Ticket aber jede Seilbahn und jede Attraktion kosten hier nochmal extra. Kostenfrei wiederum ist der Bus mit dem man die einzelnen Spots im Park anfahren kann. Hier ist es im Grunde wie überall in China: dort, wo der Bus die Menschenmassen auskippt ist es voll, laut und (für uns) nervig. Entfernt man sich etwas von diesen Gebieten und wandert auf eigene Faust los kann man aber auch wunderbare Orte voller Ruhe und Entspannung finden.

Durch die großen Entfernungen ist es ausgeschlossen, dass man alle Attraktion an einem Tag durchhämmern kann. Aber wir hatten ja auch etwas länger Zeit. Die lustigen Affen im Monkey Garden waren unser erstes Ziel. Ob es nun moralisch sinnvoll ist, dass die Tierchen von krietschenden Touristen mit Chips gefüttert werden sei mal dahingestellt. Immerhin scheinen die Affen dabei Spaß zu haben ![]()
Im gesamten Park trifft man übrigens öfter auf die freilebenden Primaten, sollte diesen aber außerhalb des Monkey Gardens nicht zu nahe kommen, da sie nur dort diese Fütternummer verstehen. Mein ziemlich dämlicher Versuch einen solchen Kameraden einen Zweig hinzuwerfen quittierte dieser mit der Präsentation seiner scharfen Reißzähne und seines Kameraden, der ihn wohl beim Versuch den blöden Touri zu verjagen unterstützte. Naja, ab diesem Moment sah ich es förmlich in den Augen aller weiterer Affen: "Du bist doch der Typ, der hier einen einen unserer Kumpels belästigt hat? Verfatz dich hier!". Folgende Lektion hab ich hier gelernt: Ein Affe, der in einem riesigen Wald lebt ist nicht darauf angewiesen von mir mit einem Ast gefüttert zu werden.
An den folgenden Tagen besuchten wir verschiedene Bereiche des Parks. Doch der absolute Knaller sind dann tatsächlich die Avatar-Berge. Ok, Huangshan und Tianmenshan: Ihr könnt einpacken, Pandora liegt genau hier. Die Aussicht war einfach umwerfend, keine Massen von Menschen … alles verläuft sich hier ein wenig.


Den bekannten Beilong-Elevator, einen Glasfahrstuhl ließen wir aus: 10 Euro für ein paar Sekunden mit 50 anderen Menschen in einem kleinen Glaskasten eingesperrt zu sein, erschien uns irgendwie Budged-schädigend. Genauso wie die berühmte Glasbrücke, die wir eigentlich an unserem Abreisetag noch "mitnehmen" wollten. Wir saßen bereits im Shuttle-Bus um dorthin zu gelangen, doch unsere forsche Busfahrerin riet uns davon ab. Stattdessen empfahl sie uns eher den Baofeng-See zu besuchen. Wir waren etwas überrascht von Ihrer "Hartnäckigkeit", immerhin dauerte unser "Gespräch" per Google-Übersetzer doch etwas länger. Sie meinte sinngemäß: "zu teuer und nicht besonders aufregend". Die meisten Touristen seien wohl enttäuscht. So einen Rat nahmen wir gerne an, außerdem hätten wir die drolligen Dame auch nicht vor den Kopf stoßen wollen. Somit also Baofeng, zu dem sie uns auch direkt hin fuhr (eigentlich sollte sie ja zur Brücke fahren, hmm). Auch der See kostete natürlich nochmal extra. Im Preis inbegriffen ist aber eine kleine Bootsfahrt mit gelegentlichen Gesängen der Tujia-Minderheit vom Ufer aus.

Das wirkte zwar etwas gescriptet hatte aber irgendwie auch seinen Charme. Der See ist wunderschön und das Erlebnis als Gesamtpaket wirklich entspannend. Immerhin war das zum Abschluss nochmal eine Tour ohne Treppensteigen. Davon hatten wir erstmal wirklich genug. Doch ohne Treppen geht es in China nicht und schon an unserem nächsten Ziel, den Reisterassen bei Guilin, holte uns die Kraxelei wieder ein.
Dass ich unseren netten Hostelbetreibern leider eine, sagen wir mal "unappetitliche" Toilette hinterlassen musste, ist eine dieser unschönen Randgeschichten, die man nun mal erlebt, wenn man länger unterwegs ist. Die zierliche Dame kippte fast rücklings wieder aus der Tür. Dabei wollte ich mir von ihr nur einen Pümpel ausleihen, was sie leider nicht verstand (hier muss der Google-Wortschatz wirklich noch nachlegen). Sie wollte sich die Misere ja unbedingt persönlich anschauen. Den Spaß der Reinigung überließ sie dann aber wohl ihrem Mann, der Arme. Problemursache sind, nach unserer fachkundigen Meinung, die echt lahmen Toilettenspülungen, die wir auch in anderen Teilen des Landes bereits mit hoffnungsvollem Bangen bei der Arbeit beobachteten. Papier darf man meist sowieso nicht herunterspülen, aber das die Dinger nicht mal ihre Hauptaufgabe erfüllen ist schon merkwürdig. Da ist man aus Deutschland schon etwas mehr "Bumms" gewöhnt.

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