Erst in Peking begannen wir unsere weitere Planung für China. Mit knapp über drei Wochen hatten wir zwar viel Zeit, aber es sind auch unheimlich große Entfernungen zu überbrücken. Etwas angefixt vom Zugfahren wollten wir unbedingt dieses Land ohne Flugzeug bereisen. Über die App "China Train Booking" konnten wir zwar die Tickets online kaufen, mussten diese aber immer noch am Bahnhof abholen. Dankenswerterweise stellt einem die App auch gleich den passenden "Abholsatz" auf chinesisch zur Verfügung. Ich klatschte also der Servicedame das Handy an die Scheibe und erhielt tatsächlich unsere ersten Tickets. Bis zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, ob das überhaupt funktioniert oder wir hier gerade einige Dollar zum Fenster rausgeschmissen hatten.
Die Tonkriegerarmee von Xi'an ließen wir aus Zeitgründen bewusst aus, und entschieden uns für eine sinnvollere Route. Da uns Peking wider Erwarten sehr gefallen hat wollten wir der nächsten Metropole auch eine Chance geben. Nächstes Ziel auf unserer Reise: Shanghai.
Auswahl an verschiedenen Zügen und zugehörigen Platzarten gab es zur Genüge und wir entschieden uns für einen lahmen (aber günstigeren) Nachtzug. Die Transsib gewohnt überraschten uns die Chinesen hier, indem sie auf die Doppelstockbetten einfach noch eine Etage drauf klöppelten, die wir natürlich auch direkt beziehen durften. Entspannen geht wirklich anders und mehr als Liegen ist in dieser Höhe auch nicht möglich. Da, anders als in der Transsib, hier jeder sofort in sein Bett hopst und liegend am Handy daddelt hat man auch kaum eine andere Möglichkeit als das Gleiche zu tun.

Trotz allem wohl erholt (und eine Hostel Übernachtung gespart) erreichten wir Shanghai. Die Wegfindung zum Hotel lief diesmal problemlos. Natürlich gibt es auch hier eine Metro und unsere App für Peking ließ sich einfach auf die nächste Stadt umstellen. Habe ich schon einmal erwähnt, dass der öffentliche Nahverkehr irgendwie überall besser und günstiger ist als in Deutschland? Mitten auf der Haupteinkaufspassage in bester Lage richteten wie uns gemütlich ein. Shanghai könnte auch gut und gerne in einem völlig anderen Land liegen. Wir schlenderten an der sehr westlich geprägten Promenade The Bund entlang und bewunderten das Hochhauspanorama auf der anderen Flussseite. Bei Nacht erstrahlt dieser Teil der Stadt in kitschigen bunten Leuchtfarben.


Trotz unserer grundsätzlichen Skepsis gegenüber Großstädten ist das doch ein beeindruckendes Schauspiel. Verlässt man die üblichen Touristenrouten findet man sehr leicht kleine Garküchen, durch die wir uns einen Tag lang durchgefuttert haben. Am letzten Tag unseres Aufenthalts besuchten wir den wunderschöne Yu-Garten. Das könnte tatsächlich ein Ort sein, um Ruhe und Entspannung zu finden ... falls man sich sich von größeren Menschenmengen dabei nicht gestört fühlt.

Da unsere nächsten Ziele mit den Nationalparks Huangshan und Zangjiajie eher landschaftlich geprägt sein sollten genossen wir hier nochmal den Luxus der Großstadt: Kaffee bei Starbucks, Fährfahrt zu den riesigen Hochhäusern und Shoppingbummel in den Kaufhäusern. Nur die Aussicht vom Skytower war uns zu happig. 60€ für uns beide, dafür bekommen wir hier 4 Übernachtungen und noch 'nen leckeren Kaffee dazu. Es war gerade Mondfest zu der Zeit als wir in Shanghai waren und so ziemlich jeder aß traditionsbewusst Mooncake. Es bilden sich absurd lange Schlangen vor den jeweiligen Straßenverkäufern. Wir haben es natürlich auch gekostet, der feste Teig hat uns aber nicht wirklich viel gegeben, Tradition hin oder her. Genauso wenig wie das Frühstück: Dumplings (gefüllte Teigtaschen), Nudelsuppe, etwas gewässerter Reis und verschiedene Süßgebäcke ... nicht so wirklich was für uns. Hier vermissten wir zum ersten Mal warme Brötchen mit Käse, Wurst und Lachsaufschnitt. Meist haben wir das Frühstück zu Gunsten der riesigen Auswahl an leckeren Snacks ausgelassen.
Mittlerweile sind wir ja Bahnhöfe gewohnt, aber die schiere Größe der Wartehalle in Shanghai hat uns dann doch etwas erschlagen.

Na? Wer findet Eva?

Da ist sie
(Und nein, sie hockt nicht auf dem Schoß dieses Typen ... die Perspektive täuscht.)
Trotz dieser Größe ist es hier nicht wirklich unübersichtlich, da der ganze Ablauf vom Ticketkauf über die Gepäckkontrollen bis hin zum "Boarding" sehr dem eines Flughafens ähnelt: Man sucht seinen Zug, geht zum richtigen Wartebereich und ein paar Minuten vor Abreise wird man auf den Bahnsteig durchgeschleust. Erst später dämmerte es uns, dass das natürlich auch der Grund ist, warum die eigentlichen Bahnsteige wie ausgestorben wirkten. Niemand wird bei der Ankunft winkend empfangen oder mit wedelndem Taschentuch verabschiedet. Nur mit gültigem Ticket und auch nur zur vorgegebenen Zeit darf man den Bahnsteig überhaupt betreten. Sicherheitstechnisch vielleicht sinnvoll, aber das nimmt schon etwas den Flair einer Bahnreise.
Nach Peking und Shanghai wollten wir nun endlich auch mal etwas mehr Natur sehen und freuten uns auf der kurzen Zugfahrt nach Huangshan auf die gelben Berge im gleichnamigen Nationalpark.

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