Nach unseren intensiven Erlebnissen in Myanmar war Thailand bei unserer weiteren Planung bisher etwas zu kurz gekommen. Da wir knapp 10 Tage Zeit hatten bis wir uns in Laos mit unserer nächsten Besucherin Sarah treffen wollten, war Thailand nicht mehr als ein "Durchlaufland". Wenn man plötzlich die freie Auswahl aller südostasiatischen Länder hat, erschien uns das beliebteste Reiseziel in dieser Region als wenig reizvoll - zu unrecht.

Wir suchten nach einer passenden Reiseroute um in der vorgegebenen Zeit Richtung Laos zu kommen. Strand gegen Kultur hieß es nun und wir entschieden uns für eine nördliche Route über Chiang Mai, Chiang Rai und Phitsanulok. Mit dem Bus konnten wir direkt von der Grenzstadt Mea Sot nach Chiang Mai fahren. Überraschenderweise wurde das Wetter unerwartet schlechter: Graue Wolken und Regen begleiteten unsere Fahrt. Am Busbahnhof in Chiang Mai angekommen "grab"ten wir direkt einen Fahrer, der uns zu unserem Airbnb bringen sollte - diese Routine saß nun langsam. Mit einer getunten Karre und "touristentauglicher" Musik, wie sie nur der beste Oldie-Sender spielen würde, machten wir uns auf die Suche nach der richtigen Adresse. Anscheinend war das auch für unseren Party-Fahrer nicht ganz so leicht. Netterweise legte er sich mächtig ins Zeug und fragte diverse Passanten auch dann noch nach dem Weg, nachdem wir bereits an unserem vermeintlichen Ziel ausgestiegen waren. Ein paar Diskussionen später deutete er uns an wieder einzusteigen. Ein paar hundert Meter weiter waren wir dann auch angekommen. Nett - den Hinterhof hätten wir ohne seine Hilfe nur schwer gefunden. Unser Gastgeber war dagegen etwas maulfaul und glänzte nicht gerade mit offenherziger Freundlichkeit - egal, wir wollten nur günstig schlafen und das Quartier war hervorragend.

Wenn man nix plant passieren die interessantesten Dinge. Ohne es zu wissen besuchten wir Chiang Mai gerade während des Loi Krathong - dem jährlichen thailändischen Lichterfest. Die wunderschöne Altstadt mit ihren zahlreichen Tempelanlagen ist umgeben von einer antiken Stadtmauer und einem breiten Wassergraben. An allen Ecken und Enden waren die Vorbereitungen für das Lichterfest in vollem Gange. Alles wurde mit bunten Papierlaternen, Blumen und Lichterketten geschmückt.

Nicht unterschlagen dürfen wir die kulinarischen Highlights des Landes: Pad Thai, Mango Sticky Rice und Suppen wie Tom Yum und die unten abgebildete Tom Kha Gai verwöhnten unsere Gaumen.

In einem kleinen Hostel direkt neben unserer Unterkunft bekamen wir ein leckeres Frühstück und eine interessante Unterhaltung. Die Besitzerin war anscheinend die Schwester unseres unfreundlichen Gastgebers und das genaue Gegenteil zu diesem. Sie erklärte uns alle wichtigen Eckpunkte zum Loi Krathong und lud uns am Abend zum gemeinsamen Krathong-Basteln ein. Nun gut, das wollten wir nicht verpassen und spazierten den Vormittag noch etwas durch die historische Stadt. Glücklicherweise verbesserte sich das Wetter zunehmend - wir sollten für sehr lange Zeit keinen Regen mehr sehen.

Wieder bei unserer fröhlichen Do-It-Yourself-Lady angekommen, waren neben uns noch ein paar weitere Gäste in Bastellaune. Ich selbst musste auf Grund beruflicher Verpflichtungen auf das Falten von Bananenblättern verzichten und daddelte derweil an meinem Notebook herum. Loi Krathong bedeutet soviel wie schwimmendes Floß - und genau dieses Floß wird aus dem Strunk und den Blättern einer Bananenstaude gebaut. Nachdem Eva den Floßboden fachfrauisch verkleidet hatte, ging es um das kunstvolle Verzieren mit allerlei Blumen und Perlen. In der Mitte wurde abschließend ein Teelicht platziert.

Während der wilden Bastelei stellte uns die Gastgeberin ihren Vater vor. Der gute Mann konnte nur sporadisch Englisch, begutachtete aber ausführlich jedes einzelne Bananenboot und schien von allen extrem verzückt zu sein. Als er mich armen Tropf am Laptop schuften sah, machte er uns gestikulierend klar, dass er jetzt ein Krathong für mich zusammen klöppeln wollte ... schließlich muss jeder ein eigenes Bananenboot besitzen. "Oha" - dachten Eva und ich - jetzt können wir einem Profil bei der Arbeit beobachten. In seinem Alter sollte er schon Dutzende Lichterfeste erlebt haben. Ich zückte mein Handy und wollte seine filigrane Arbeit auf die SD-Karte bannen. Nachdem er die ersten Bananenblätter eingerissen hatte und die wenigsten Stecknadeln ihre vorgesehene Position fanden, ließ ich mein Handy langsam wieder sinken. Dieser Mann hat im Leben noch nie ein Krathong gebastelt. Unsere Ahnung bestätigte schließlich seine Tochter - der freundliche Herr war wie wir Krathong-Jungfrau und überraschte mit seinem Erstlingswerk sogar seine Tochter. "Nun gut" - dachte ich, wir zünden das hässliche Ding eh irgendwann an und versenken es im Fluss. Auch wenn die Grundstruktur eher einem Macheten-Unfall glich, so konnte der nette Opi die ganze Geschichte mit unzähligen Blumen und Perlen noch retten. Am Ende wirkte es doch ganz ansehnlich. Das freudestrahlende Gesicht des begeisterungsfähigen Herrn bleibt uns sowieso länger in Erinnerung als seine massakrierten Bananenblätter.

Ausgerüstet mit zwei hochwertigen Bananenbooten kämpften wir uns durch die Menschenmassen, die sich nun in den Straßen der Altstadt drängten. Ein Schönheitswettbewerb bildete anscheinend den Startschuss für die Festlichkeiten. Gemeinsam mit dem großen Festumzug, der aus geschmückten Sänften und Festwagen bestand, spazierten wir langsam in Richtung Ping-River.

Hier angekommen ließen wir nun unsere beiden schwimmenden Fackeln zu Wasser und erwiesen damit der Flussgöttin Mae Khongka unsere Ehre. Das mein "Fremd"-Krathong sofort komplett Feuer fing und wie ein glühender Flammenball den Fluss hinunter glitt wunderte uns dabei weniger.

Neben dem "Wässern" der kleinen Bananenboote gehört es in Chiang Mai ebenfalls zu den Festlichkeiten, dass man Laternen in den Himmel aufsteigen lässt. Die Fackeln kann man anscheinend inoffiziell bei dubiosen Straßenverkäufern erstehen. Hin und wieder lieferten sich diese wilde Verfolgungsjagden mit der Polizei. Für uns reichte der zauberhafte Blick in den Himmel, wenn hunderte dieser Laternen die Nacht erleuchteten. Der meditative Part dieser Erfahrung spielt sich aber auch ausschließlich beim Blick nach oben ab. Wir standen dicht gedrängt in einer Menschenmenge aus Einheimischen und Touristen, die alle versuchten unter heftigem Gekreische ihre erstandene Laterne auf den langen Weg zu schicken. Mehr als den Brandsatz anzuzünden und das Konstrukt solange festzuhalten, bis es von selbst abhebt ist eigentlich nicht zu tun - eigentlich. Die Realität ist, dass sich einige Laternenpiloten hier wirklich selten dämlich anstellen und die brennende Wunderkerze nach einem viel zu kurzen "Wir-zählen-lustig-von-irgendwas-runter"-Countdown mit viel Schwung nach oben schmeißen. Ist noch nicht genug heiße Luft im Ballon stürzt dieser unweigerlich ein paar Meter weiter wieder in die Menschenmasse. Nun ja, für die Blödheit einzelner Teilnehmer kann das Fest natürlich nichts. Dass so manche Lampions direkt in einer Baumkrone oder einem Strommast endete und dort fröhlich vor sich hin prasselte, schien ebenfalls niemanden wirklich zu beunruhigen. Immerhin war die Feuerwehr anwesend und schaute sich das Treiben vollkommen entspannt an - business as usual.

So ganz erfasst hat uns die Magie dieser Show nicht - dafür war es uns einfach zu sehr von Touristen geprägt (Logo, wir gehörten natürlich dazu). Aber eine lustige Erfahrung war es dennoch.

Um unseren Aufenthalt in Thailand so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten buchten wir direkt für den Folgetag eine Tour zu den Elefanten des Elephant Refugee Projects. Dass wir Elefantenshows, Elefantenreiten und andere Tierquälerei nicht zu einem unserer Programmpunkte machen wollten, stand für uns fest. Es gibt unterschiedliche Berichte ob bereits der direkte Kontakt zu Menschen für Elefanten schädlich sein könnte. Trotzdem hatten wir nach der Tour das Gefühl, dass die Dickhäuter hier artgerecht behandelt werden und sich eher die Besucher nach den Tieren richten als anders herum. Die Tiere in den Refugee Camps haben oft eine weniger schöne Lebensreise als Arbeitssklaven hinter sich und werden von den Projekten gekauft, die deren artgerechte Haltung mit Touren dieser Art finanziert.

Nachdem wir von einem Minibus direkt am Hostel abgeholt wurden ging es in einer knappen Stunde zum Startpunkt des Camps. Nun hieß es erst mal fleißig Zuckerrohr und Kürbis in handliche Stücke hacken. Das perfekte Outfit transformierte uns zu echten Elefantisten und wurde uns netterweise vom Anbieter gestellt.

Zur eigentlichen Fütterung ging es nochmal ein gutes Stück auf der Ladefläche eines Pickups ins Gelände zu einem kleinen Pavillon. Nach kurzer Zeit kam eine Elefantenherde mit fünf Tieren ganz entspannt zu uns gewandert und verteilte sich brav um den "Futtertrog". Nun durfte man den grauen Riesen das zuvor gehäckselte Gemüse in den fordernden Rüssel legen. Den riesigen Geschöpfen beim Mumpeln zuzusehen ist schon ein beeindruckendes Erlebnis. Nebenbei erklärte der Guide den wissbegierigen Touristen alles Notwendige und das ein oder andere interessante Gespräch mit unseren Mitstreitern entwickelte sich.

Nachdem das Futter gerecht auf alle hungrigen Tiere verteilt wurde, setzen sich die Dickhäuter wieder in Bewegung. Wir Dünnhäuter folgten vorsichtig und versuchten nicht im Weg zu stehen, worauf die Elefantenpfleger mehr als ein wachsames Auge hatten. Die entspannte Wanderung konnte nun für Fotos genutzt werden. Auch unsere Gruppe blieb leider nicht von typischen Instagram-Heinis verschont, leicht zu erkennen an den fototauglichen Posen: Eine Hand am Tierchen und ein Bein keck nach hinten angewinkelt. Dazu ein penetrantes Kichern, dass es zwar nicht aufs Foto schafft, dafür aber die restlichen Teilnehmer zu mehr als einem Augenrollen nötigte.

Irgendwann trennten sich die Wege und endlich wurde sich auch um das leibliche Wohl der Zweibeiner gekümmert. Dazu gab es einen Crash-Kurs in der Herstellung von Soi Tam - einem Papaya-Salat, der eine weitere großartige thailändische Spezialität darstellt. Nach der ausgiebigen Mahlzeit wurden uns schonmal die Outdoor-Duschen gezeigt, welche wir nach der Tour auch bitter benötigten. Über einen kleinen Steg ging es zu einem Schlammloch, dass extra nochmal zusätzlich gewässert wurde. Nach ein paar Minuten kam unsere bereits bekannte Herde und genoss die Abkühlung im rotbraunen Matsch.

Das war auch der Startschuss für einige unserer Mitstreiter: Zack waren die Klamotten vom Leib gerissen und die Ersten standen im Bikini knietief im Modder und bewarfen unsere berüsselten Freunde mit dem braunen Schlotz. Nach der Schlammschlacht trabten die Hauptakteure zum nahegelegenen Fluss und nahmen hier noch ein erfrischendes Bad. Die jauchzende Touristen-Herde natürlich auch hier wieder mit dabei. Zum Abschluss durften dann noch ein paar restliche Eimer Zuckerrohr und Bananen verfüttert werden, ehe es dann unter die notwendige und a****kalte Dusche ging.

Diese großartigen Tiere in einer natürlichen Umgebung zu erleben war eine überwältigende Erfahrung und rundete unsere ersten Tage in Thailand perfekt ab. Etwas Herzflattern hatten wir auf der Rückfahrt zu unserem Hostel, da unsere Abreise aus Chiang Mai zeitlich sehr optimistisch geplant war. Netterweise wurden wir als Erste abgeliefert und auch unser hastig bestellter Grab-Fahrer bemühte sich uns termingerecht zum Busbahnhof zu bringen. Bisher hatten wir keine Probleme mit verpassten Transportmitteln und so sollte es auch bleiben. Das nächste Ziel auf unserer Reise hieß nun Chiang Rai.

 

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