Glasklares Wasser, Palmenstrände und Sonnenuntergänge, die das Meer in tiefes Rot tauchen ... vielleicht die klischeehafteste Vorstellung von einem Leben auf Weltreise. Für uns sollte es aber 3 Monate dauern, bis wir unseren ersten Traumstrand erblickten. Da für unsere beiden Mitreisenden Alex und Betty der letzte Abschnitt unserer gemeinsamen Tour durch Myanmar anbrach, wollten wir hier die kommenden Tage noch einmal ganz in Ruhe genießen. Einfach nur entspannen von den "Anstrengungen" der bisherigen Reise.
Auf Grund des knappen Zeitplans entschieden wir uns für einen Inlandsflug von Bagan nach Ngapali. Für die 500km lange Strecke würde man auf Grund der ungünstigen Busanbindung gut 24 Stunden benötigen - diese Zeit wollten wir lieber am Strand verbringen. Die Entscheidung zum Flug war goldrichtig - der winzige Flughafen Nyaung U in der Nähe von Bagan versprühte bereits Abenteuerflair: Ein Check-In ohne Gepäckband, manuelle Anzeigetafeln und eine Wartehalle von der Größe XS. Wahrscheinlich der niedrigen Auslastung geschuldet wurde unser Flug sang- und klanglos gestrichen ("verschoben" natürlich) und wir warteten einfach auf den nächsten. Die Anzahl der Mitfliegenden war auch hier überschaubar, sodass jeder entspannt eine eigene Sitzreihe nutzen konnte. Beim Ausstieg aus der kleinen Propellermaschine der erste Wow-Moment: Die Landebahn grenzte direkt an den palmenbewachsenen Strand ... läuft. Mit dem Shuttlebus gings dann schnurstracks zum Hotel. Wir entschieden uns für eine mittelpreisige Anlage für knapp 36€ pro Nacht für zwei Personen. Da diese nicht direkt an den Strand grenzte, mussten wir noch unmenschliche 3 Minuten dorthin laufen ![]()

Die ganze Hotelanlage lieferte uns den Luxus, nach dem wir uns nun schon eine Weile gesehnt hatten. Ein schicker Pool, ein Frühstücksbereich an frischer Luft und helle und geschmackvolle Zimmer ... ja, gefaltete Handtuchschwäne sind voll unser Ding. Nach dem Begrüßungsdrink und der feuchten Handtuchrolle zur Stirnabkühlung ging es direkt zum hoteleigenem Strandabschnitt. Ein paar wenige belegte Strandliegen und einen Strand-Imbiss-Spittelkram-Verkaufsstand waren das Einzige, was wir weit und breit erspähten. Sofort kam aus dem Gebüsch ein älterer Herr, zog uns grinsend vier weitere Liegen aus dem Selbigen und baute uns zwei Sonnenschirme auf - ein perfekter Start in die nächsten Tage. Das nahezu körperwarme Wasser konnte man zwar nicht wirklich als Erfrischung nutzen, dafür war es perfekt geeignet, um ewig darin zu lümmeln und die bunten Fischerboote zu beobachten.


Ein paar Tage chillen und einfach mal Nichts tun, das war unser Plan. Das Beste daran: Der Strand-Imbiss-Spittelkram-Verkaufsstand versorgte uns mit großartigen Cocktails und leckeren Speisen direkt am Strand. Ein drahtiger "Barkeeper" mit zerlumptem Unterhemd und Zigarette im Mundwinkel mixte uns für knapp 1,50€ leckere alkoholhaltige Getränke, so dass wir unser gepflegtes Schwipslevel den kompletten Tag halten konnte. Zwischendurch gab's eine Kokosnuss vom Kokosnussfachverkäufer auf der anderen Seite unserer Liegestrecke.



Und natürlich haben wir nicht nur "Nichts" gemacht: Unser Kokosnussverkäufer entpuppte sich als Bootsvermittler, der uns für 30.000 Kyat (ca. 18€) eine 4-stündige Schnorcheltour anbot. Also erkundeten wir auf dem Boot von "Mr. Bean" die umliegenden Korallenriffe - oder eher, was von diesen noch übrig war. Immerhin die vielen bunten Fische entschädigten für den tristen Anblick der abgestorbenen Unterwasserlandschaft. Warum eigentlich "Mr. Bean" wollten wir von unserem Bootsführer wissen: "Ich, ich bin Mr. Bean" - plausibler kann man eine doofe Frage nicht beantworten.


Da bei der brütenden Hitze jegliche Aktivität, die von "Rumliegen", Essen und Trinken abwich, zur Höchstanstrengung ausartete streuten wir diese nur sehr sparsam in unseren Tagesablauf ein. Eine Spaziergang zum Fischerdorf an die Spitze der Landzunge durchbrach den Müßiggang. Wer nicht als einer von unzähligen Angestellten in den Hotelanlagen arbeitet, verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Fischfang. Auf riesigen blauen Planen trocknen hier tausende kleiner Fische. Bei der Menge, die hier täglich aus dem Meer geholt wird wunderte uns der Zustand der Korallenriffe nun nicht mehr.


Trotz dieser ausfüllenden Tagesbeschäftigungen schaufelten wir uns natürlich auch Zeit für die kulinarischen Highlights von Ngapali Beach frei. Die Auswahl an netten kleinen Restaurants ist enorm hoch, so dass man hier wunderbares Fress-Hopping betreiben kann. Auf den Tisch kam alles, was das Meer hergab - Krabben, Oktopus, Garnelen und jegliche Arten von Fisch. Zu den Hauptspeisen gesellten sich oft leckere Avocado- oder Tomatensalate, meist flankiert von bunten Cocktails - damit es gut "rutscht".

Für den kleinen Hunger zwischendurch und als Abwechslung zu den grandiosen Fischgerichten gab es auch mal eine Pizza und Pommes. Dass eine Pizza Quattro Formaggi in einem Land, in dem es sonst so gut wie keine Käsegerichte gibt, ein kleines Vermögen kosten würde, hätte uns eigentlich klar sein müssen. Egal, geschmeckt hat's trotzdem.

Vor der letzten Mahlzeit des Tages durften wir jeden Abend einen wundervollen Sonnenuntergang genießen - mal entspannt von unseren Liegen aus, mal direkt aus dem warmen Wasser. Das Schauspiel dauerte nur wenige Minuten und man musste aufpassen es nicht zu verpassen. Gesellte sich zu dem Tiefrot der untergehenden Sonne in weiter Ferne noch das unwirkliche Violett eines Gewitter, hatte man das Gefühl sich in einen impressionistischen Gemälde zu befinden. Die kurze Zeitspanne zwischen fast unerträglicher Hitze und Dunkelheit nutzten wir hin und wieder auch sportlich. Es juckte uns schon seit Längerem in den Fingern und wir ließen endlich mal den Volleyball kreisen. Betty und Alex erspähten den Beachball bei einem Erkundungsstreifzug und griffen sofort zu. Und so schlecht war die "Pille" nicht, für ein entspanntes rumbäbbeln reichte es auf jeden Fall.


Nun war er also da: Der Tag des Abschieds. Etwas merkwürdig fühlte es sich schon an - immerhin hatten Alex und Betty die letzten drei Wochen mit uns verbracht. Wir blickten auf einen intensiven und wunderschönen Teil unserer Reise zurück. Unsere Mitstreiterinnen entschieden sich für einen Inlandsflug von Ngapali zurück nach Yangon, um dort die letzte Nacht in einem Hotel in Flughafennähe zu verbringen. Eva und ich nutzten das Privileg zeitlich ungebundener Weltreisender und entschieden uns einfach dazu noch zwei weitere Nächte den Traumstrand zu genießen. Inhaltlich kam nicht wirklich etwas Neues für uns hinzu - aber das war auch nicht der Plan. Viel mehr wollten wir uns auf unsere Rückreise mit dem Bus vorbereiten. Über Yangon sollte es für uns in insgesamt 28 Stunden nach Myawaddy gehen, der Grenze zu Thailand. Gegen 13 Uhr wurden wir mit einem Shuttle-Bus vom Hotel abgeholt und zum Busbahnhof gebracht. Von dort ging die endlos erscheinende Reise los. Leider hatte ich das Pech auf einem defekten Sitz platziert worden zu sein. Schlafen war also nur kerzengerade möglich - Rücken und Nacken sagten herzlich "Danke". Gegen 4 Uhr morgens erreichten wir den riesigen Busbahnhof in Yangon. Erstaunlich zügig fanden wir das Büro des Busunternehmens mit dem es um 8 Uhr früh weitergehen sollte. Der winzige Warteraum wurde auf Extremtemperaturen herunterklimatisiert, so dass wir nach endlos wirkenden Tagen am Strand mal wieder in unsere dicken Klamotten schlüpfen mussten. Immerhin gab es noch 2 freie, gemütliche Metallbänke auf denen wir die restliche Nacht verbrachten. Im Gegensatz zu einem nicht verstellbaren Bussitz fühlte sich die kalte Bank tatsächlich an wie ein Himmelbett.

Eigentlich sollten wir bereits um 19 Uhr in Myawaddy ankommen. Durch längere, baustellenbedingte Pausen erreichten wir die Grenzstadt erst 20:30 Uhr. Total gerädert wollten wir nur noch schnell über die Grenze und unser Airbnb in Thailand beziehen. Die letzten 30.000 Kyat loszuwerden war gar nicht so einfach, da alle Wechselstuben bereits geschlossen hatten. Ein Mann führte uns in einen Handyshop, sprach kurz mit der Angestellten und händigte uns tatsächlich den korrekten Gegenwert in thailändischen Baht aus. Nun konnte nichts mehr passieren!?! Doch. Irgendwie hatten wir verdrängt, dass Grenzübergänge tatsächlich Öffnungszeiten haben. Als wir diesen um 21 Uhr endlich erreichten, bemerkten wir unseren Denkfehler: Der Weg nach Thailand war versperrt. Nach 28 Stunden Busfahrt nicht gerade förderlich für's Wohlbefinden. Dass Myawaddy keine Unterkünfte über die bewährten Plattformen anbot trug nicht gerade zur Verbesserung der Stimmung bei. Nach einigem ziellosen Umherirren gabelte uns unser freundlicher "Geldumtauschhelfer" wieder auf und führte uns zu einem nahe gelegenen Hotel ganz in der Nähe. Der Preis war relativ hoch, durch unsere ausweglose Situation waren wir aber nicht wirklich in der Position zu verhandeln. Dass wir nun unsere umständlich umgetauschten 30.000 Kyat erstmal wieder abheben mussten rundete diesen Tag ab. Immerhin schliefen wir tief und fest und freuten uns nun auf ein neues Abenteuer in Thailand.

Unser erster Grenzübergang zu Fuß gestaltete sich dann eigentlich auch ganz entspannt. Uns bot sich ein unübersichtliches Gewusel von Menschen und Autos, verschiedene Schalter mit Uniformierten und Schilder mit unklaren Aufschriften. Als Tourist hat man es trotzdem deutlich leichter als die pendelnde Bevölkerung. Ein alter Mann nahm uns wieder einmal an die Hand und führte uns zielstrebig zum richtigen Schalter. Ob unser freundlicher Helfer offiziell für Touristen abgestellt wurde oder seine Hilfe einfach freiwillig anbot erfuhren wir nicht. Nach einigen Minuten liefen wir mit unseren neuen Einreisestempeln über die verbindende Brücke nach Thailand. Nur knapp 10 Tage wollten wir hier bleiben und uns danach direkt nach Laos durchschlagen.
