Weiß, schwarz und blau ... die Farben, die unseren Aufenthalt in Chiang Rai bestimmen sollten. Nun ja, eigentlich auch die Farbe braun. Aber wer jetzt diesen Artikel angewidert überspringen will, der sei entwarnt: es geht um Kaffee. Und zwar Kaffee aus einem Kaffeevollautomaten ... in einem Hostel ... den wir so oft nutzen durften, wie wir wollten. Das Hostel war eine der größten Überraschungen in Thailand. Modern, komfortabel, preiswert - und eben mit einem Kaffeevollautomaten ausgestattet. Da für den morgendlichen Koffeinschock also gesorgt war, konnten wir uns entspannt den weiteren Attraktivitäten der Stadt widmen. Mit Shuttle-Bus und zu Fuß erkundeten wir die Tempelanlagen Wat Rong Khun, Baan Dam und Wat Rong Suea Ten, die umgangssprachlich auch als weißer Tempel, schwarzes Haus und blauer Tempel bezeichnet werden.
Etwas schwer zu finden, war der erste Spot auf unserem farblich aufgeteilten Tempelhopping: Baan Dam, das schwarze Haus. Wohl eines Übersetzungsfehlers geschuldet, ist eher vom schwarzen Dorf die Rede, aber auch das ist wenig aussagekräftig. Der neuzeitliche Künstler Tahwan Duchanee hat hier verschiedene Gebäude und Gebilde geschaffen, die einen morbiden Gesamteindruck hinterlassen. Pechschwarzes Holz, Tierknochen und unterschiedlichste Darstellungen menschlicher Genitalien werden hier zu einer interessanten Kulisse zusammengebracht und hinterlassen den Besucher etwas ratlos, aber beeindruckt zurück.

Ob man sich nun als Wickie - Herrscher auf dem Knochenthron, Crocodile Dundee - mit Schnappi, dem plattgedrückten Krokodil oder Nemo - Kapitän der schwarzen Tintenfisch-Nautilus ablichten möchte, hier hat man die Gelegenheit dazu. Ob und wie viele Tiere für diese Unmengen an Exponaten ihr Leben lassen mussten, wird nicht bekannt gegeben ... im Zweifel eher gegen den Angeklagten. Am Ende der Tour gab es noch köstliche Baby-Ananas am Stiel, die ganz ohne Gewissensbisse verzehrt werden durften.

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Gechillt wurde natürlich auch, das Krokodil musste zumindest niemand mehr füttern.

Bringen wir nach schwarz etwas Farbe ins Spiel und widmen uns dem blauen Tempel - Wat Rong Seur Ten. Auch hierbei handelt es sich um eine sehr junge Tempelanlage, die sich teilweise noch immer im Bau befindet. Vornehmlich in blau und gold gehalten strahlt der Tempel mit seiner detaillierten Außengestaltung. Besonders die Naga-Schlangen beeindrucken mit ihrer imposanten Erscheinung. Im Inneren setzt sich das Farbenspiel fort ... die Wände erzählen Geschichten aus Buddhas Leben, der als riesiges, weißes Abbild in der Mitte des Tempels sitzt. Ein wenig wirkt hier alles wie die bunte Disney-Vorstellung eines buddhistischen Tempels - aber im Gedächtnis bleibt das Farbenspiel trotz allem.




Den Abschluss machte für uns die wahrscheinlich bekannteste Tempelanlage in Chiang Rai, der weiße Tempel - Wat Rong Khun. Ebenfalls noch immer im Bau, soll die komplette Anlage erst in knapp 50 Jahren fertiggestellt werden. Dieser Umstand hielt aber weder uns noch millionzig andere Touristen davon ab, der Baustelle einen Besuch abzustatten. Hat man sich erstmal an die Menschenmassen gewöhnt, ist es zwar immer noch brechend voll aber man stresst sich nicht mehr damit, das perfekte Foto zu bekommen. Ohne fremde Rüben vor der Linse, wird das hier eh nichts. Der weiße Tempel hat seinen Namen - der aufmerksame Leser kann nun mit seinem Wissen glänzen - richtig: er ist weiß. Das klingt erstmal unspektakulär, aber tatsächlich wirken die Details der Anlage im gleißenden Sonnenlicht wie der Eingang zum Himmel. Und so ist es auch für die Besucher thematisch aufgebaut: Über eine Brücke gelangt man - im Gänsemarsch - von der Hölle zum Himmel. Stehenbleiben, um zu fotografieren oder gar auf der Brücke umkehren ist strengstens untersagt. Das kleine Rollenspiel funktioniert, wer würde schon gern vom Himmel zurück in die Hölle latschen. Im Inneren des Tempels herrscht absolutes Fotografieverbot. Wer das Überraschungsmoment für einen eigenen Besuch erhalten möchte, sollte den Rest dieses Absatzes überspringen. Die Wandbemalung zieren völlig unerwartet Mickey Maus, Batman, Michael Jackson, Osama Bin Laden, Meister Yoda und viele weitere Personen oder Phantasiegestalten der Neuzeit. Ein Spaß hier auf Entdeckungsreise zu gehen.



Auch außerhalb bieten unzählige Skulpturen Grund zum Schmunzeln: ob Gollum, Wolverine oder ein Teenage Mutant Hero Turtle - der wilde Mix ist tatsächlich atemberaubend. Man könnte hier Stunden zubringen und hätte wahrscheinlich trotzdem nicht alle Details entdeckt. Für uns war der Input irgendwann etwas viel und wir genossen das bunte Treiben der Touristenmeute entspannt von einer der vielen Bänke aus.

Auf dem Rückweg ließ es sich Eva nicht ausreden, um ein gemeinsames Foto mit zwei Polizisten zu bitten. Warum Sie das wollte bleibt ihr Geheimnis, aber Crockett und Tubbs willigten brav ein und es entstand dieser sehenswerte Schnappschuss.

Etwas überfordert von den ganzen Eindrücken ließen wir den letzten Abend in einer kleinen Garküche mit eingewachsenem Baum, lustigem Hündchen und leckerem Essen ausklingen. Zum Thema Essen kann man noch die Süßspeise Taro Balls in Kokosmilch erwähnen. Die kleinen Kügelchen aus der gleichnamigen Wurzel konnten Eva überzeugen, für mich waren die schlotzigen Bröckchen in süßer Soße eher ein Abtörner.


Der Kaffeevollautomat unseres Hostels sollte uns noch den nächsten Morgen beglücken, bevor unsere Weiterreise nach Phitsanoluk antraten. Unsere dortige Unterkunft würde uns definitiv ebenso im Gedächtnis bleiben, wie das Hostel in Chiang Rai, nur leider aus einem anderen Grund.
