Pagoden, Pagoden, Pagoden - das ist das Stichwort in Bagan. Natürlich gilt das für ganz Myanmar, aber hier in Bagan erlebt man die typischen Bauwerke nochmal auf eine ganz andere Weise. Auf unseren bisherigen Stationen besuchten wir bereits Dutzende dieser heiligen Stätten und waren immer wieder von Formvielfalt und der exotischen Schönheit der Bauwerke begeistert. Wie für wahrscheinlich jeden Tourist sollte die alte Königsstadt ein Highlight für uns werden.
Das Inwa Motel, etwas außerhalb der archäologischen Stätten in Nyaung U, sollte unsere Homebase für die nächsten Tage werden. Zimmer, Frühstück, Taxi- und Tuk-Tuk-Service - alles klappte hier wunderbar. Da kann man auch mal darüber hinwegsehen, dass die Angestellten hin und wieder auf dem Boden der Lobby liegen und einfach vor sich hin ratzen. Anscheinend gilt der Eingangsbereich als Wohnplatz für die Hälfte der Mitarbeiter. Da uns wieder einmal der Nachtbus am Zielort ablieferte wurde Tag eins erst einmal etwas entspannter angegangen. Ein Besuch der Shwezigon-Pagode blieb bis zum Mittagessen unsere einzig sinnvolle Beschäftigung.

Hier "mussten" unsere beiden Mitstreiter als Fotomotiv für asiatische Touristen herhalten. Immer wieder ein spaßiges Vergnügen, wenn die Fotografen nett fragen. Hin und wieder gab es aber auch die frechen "Heimlich-Knipser".

Auch wenn man denkt man habe schon so ziemlich alles pagodige gesehen versprühen die religiösen Bauwerke immer wieder aufs neue einen mystischen Charme. Alex' Stefan-Loose-Reiseführer gab uns dazu das historische Grundwissen, das wir nie haben wollten
Ohne dieses schlaue Buch (liebevoll nur "der Stefan" genannt) wären wir wahrscheinlich schnöde an einer der Top-Attraktionen vorbeigelatscht: der mystischen Pfütze. Ja es ist nur eine Pfütze, aber tatsächlich eine besonders sehenswerte. Die goldene Kuppel der Pagode spiegelt sich perfekt in dem kleinen Wasserloch ... nun gut, es bleibt nur eine Pfütze. Und trotzdem ertappte man sich plötzlich selbst dabei, wie man eine Weile regungslos in die golden schimmernde Pagoden-Suppe starrte und sich in deren Anblick verlor. Vielleicht wartete man auch einfach darauf, dass das Getrampel eines T-Rex die wundersam ruhige Fläche zerstören würde.

Nach diesem nervenaufreibendem Ereignis ging es mit dem Tuk-Tuk erstmal wieder zurück ins Hotel. Ein Tuk-Tuk kann man über die Grab-App rufen oder man wartet einfach ein paar Minuten am Straßenrand. Unser erster Chauffeur ließ anscheinend seine schwer-bepackte Frau am Straßenrand stehen nur um sich die 1,20€ für unseren Transport zu verdienen. Da alle Beteiligten mit der Situation klar zu kommen schienen nahmen wir das günstige Angebot dankend an.

Von den ehemals wohl über 6000 Pagoden sind 2000 immer noch erhalten und bieten in der staubigen Landschaft einen großartigen Kontrast. Gerade zum Sonnenuntergang ist die Stimmung märchenhaft, was wohl bis vor Kurzem dazu führte, dass jeder Tourist dieses Schauspiel von der Spitze einer der Pagoden bestaunen möchte. Zum Schutz der baufälligen Gebäude ist das nun verboten, die meisten Pagoden mit Aufgang sind abgesperrt. Das Kletterverbot treibt hier zuweilen merkwürdige Blüten: Ergebnisorientierte Sonnenuntergangs-Instagramer bezahlen Einheimische dafür, dass diese mit einer großen Leiter bewaffnet den Weg zu den geheimen Klettermöglichkeiten weisen.

Das war es uns dann auch nicht wert und wir suchten Alternativen: Vom Erklimmen einer Mauer hat uns niemand abgeraten - nicht mal "der Stefan". Sonnenuntergänge sind grundsätzlich schon mal 'ne tolle Sache aber an diesem magischen Ort wird dieses Schauspiel zum absolut unvergleichlichem Erlebnis.



Auf unserem Rückmarsch klärte uns ein vorbei rollernder Mopedfahrer über die heimischen, nachtaktiven Schlangen auf. Angeblich trauerte der Reptilienexperte um seinen erst kürzlich an einem Schlangenbiss verstorbenen Freund. Naja, wieviel Wahrheit wirklich in der Geschichte steckte werden wir wohl nie erfahren. Zumindest hatte sein eiligst angerufener Bruder nun einen Taxijob ergattert ... und wir kamen nach ein paar Minuten wohlbehalten und schlangenbissfrei wieder im Hotel an.

Eine kurze Nacht stand uns bevor: Gegen halb fünf wurden wir von der Crew von "Golden Eagle Ballooning" abgeholt und auf einem riesigen Acker am Rand der Stadt abgeladen. Alex und Betty hatten sich einen Platz in einem Heißluftballon gesichert und durften erstmal an liebevoll gedeckten Tischen einen kleinen Morgensnack zu sich nehmen. Eva und ich entschieden uns schon sehr zeitig dazu das Abenteuer Ballonflug vorerst auszulassen. Als Langzeitreisender muss man sich hin und wieder an die eigene Geldbörse fassen und auch mal verzichten können. Trotzdem waren wir froh, dass sich unsere beiden Besuchsweltreisenden auf dieses Wagnis eingelassen haben. Während des kurzen Frühstücks stellte sich jeder Pilot seinen Gästen vor. Die zumeist aus Australien stammenden Heißluftballonführer (wir bleiben bei Piloten) sind wahre Entertainer. Wahrscheinlich haben sie schon tausendmal dieselben Geschichten und Witze erzählt und trotzdem schaffen sie es ihre Gäste in den Bann zu ziehen.


Nachdem der Alex-und-Betty-Ballon als einer der ersten davon düste bewunderten Eva und ich noch den Start vieler weiterer Ballone ... ein imposantes Schauspiel. Ohne, dass wir irgendjemanden nerven mussten, wurden wir von einem jungen Burmesen freundlich in ein Großraumtaxi gebeten und fuhren mit der Crew den Ballonen hinterher. Eine riesige Kolonne von Fahrzeugen setzte sich in Bewegung und stoppte nach ein paar Minuten auf einer langen Straße. Würden unsere Abenteurer etwa hier schon wieder landen? Natürlich nicht, das Rätsel des Stopps wurde schnell gelöst: An einer Bretterbude am Straßenrand wurde Kaffee verkauft - nun durfte also auch das Bodenpersonal eine wohlverdiente Frühstückspause machen.
Alex drückte ich vor dem Start meine GoPro in die Hand, so dass wir an ihren Erlebnisse in der Luft teilhaben konnten - zumindest als Alex bemerkte, dass man die Kameralinse auch auf die Landschaft richten sollte ![]()

Nach dem obligatorischen Sekt für die Teilnehmer des Flugs erreichten wir gerade noch das Frühstücksbuffet unseres Hotels. Als wir unseren Schönheitsschlaf nachgeholt hatten ging es dann abermals in die alten Pagodenfelder. Es ist einfach faszinierend die alten Tempel zu erkunden und immer wieder Neues zu entdecken.



Wie Scherenschnitte ragen die Umrisse der altertümlichen Bauwerke in den Himmel und zaubern im Licht der untergehenden Sonne eine traumhafte Stimmung - aus jedem Blickwinkel anders, aber doch immer wieder faszinierend.

Bagan lebt von der Magie der historischen Stätten und der schieren Anzahl vollkommen unterschiedlicher Bauwerke. Das riesige Areal bietet unendliche Möglichkeiten einfach ziellos dahinzuschlendern und sich gedankenversunken in dieser altertümlichen Welt treiben zu lassen. Sicherlich gehört Bagan zu den Top-Attraktionen für Besucher von Myanmar, wir hatten trotzdem nie das Gefühl in einer Touristenfalle gefangen zu sein. Zu ursprünglich wirken die Umgebung und die Menschen. Wir näherten uns nun dem letzten Stopp unserer gemeinsamen Route: Endlich mal ein Strand, und was für einer ... Ngapali Beach.
