Mandalay, bereits der Klang des Namens verheißt Exotik und goldenen Glanz. Die letzte Hauptstadt des burmesischen Königreichs hielt diesen Titel nur von 1857 bis 1885, bis sie von den Briten eingenommen und dem Empire einverleibt wurde. Viele Tempel, Klöster und Pagoden fielen danach kriegerischen Auseinandersetzungen im Zweiten Weltkrieg und verschiedenen Feuersbrünsten zum Opfer, so dass von der früheren Pracht nicht mehr viel übrig ist. Einige Bauwerke, wie z.B. der alte Königspalast wurden aufwendig restauriert ... teilweise auch mit fragwürdigen Methoden der herrschenden Militärjunta.
Betty nutzte die Wartezeit am Flughafen, besorgte sich etwas Geld eine SIM-Karte und verarbeitete die ersten Eindrücke dieses Landes. Nach herzlicher Begrüßung ging es mit dem Grab-Taxi zu unserem Hotel, das relativ zentrumsnah gelegen, nun Ausgangspunkt für die Erkundungen der nächsten Tage werden sollte. Die beiden Doppelzimmer im Sahara Hotel waren absolut top ausgestattet - die zu Schwänen gefalteten Handtücher ließen mein Backpackerherz dafür erstmal ordentlich zusammen zucken. Ja, das war erstmal etwas spießig, es sollte sich aber als eines der besten Hotels unserer Reise herausstellen. Und das lag vor allem an der freundlichen, hilfsbereiten und gesangstalentierten Belegschaft … dazu später mehr. Für den ersten Abend hatte Alex ein nettes BBQ-Restaurant herausgesucht und Eva führte uns dorthin durch viele dunkle Gassen. Natürlich wird eine Gruppe mit 4 Touristen angestarrt, Angst oder auch nur ansatzweise Unbehagen verspürte niemand von uns. Wir sind hier die Exoten, die Menschen sind neugierig aber ungemein freundlich. Am nächsten Morgen ging es mit einer vom Hotel organisierten Taxi-Tour durch ganz Mandalay. Auf halber Strecke streiften wir wieder das Hotel, in dem ich mich für den Rest des Tages von der Damencrew verabschiedete und mich gemütlich vorm Laptop auf die Arbeit stürzte. Ohne den männlichen Part erlebten die drei Mädels einen fantastischen Sonnenuntergang und aufregende Gespräche mit einigen Mönchen auf dem Mandalay Hill.

Der Morgen des zweiten Tages begann mit einem fantastischen Frühstücksbuffet. Doch irgendetwas war diesmal anders. Alex hatte bereits einige kulinarische Geschenke wie Schokolade, Gummibärchen und einen echten Inle-Lake-Wein auf dem Tisch platziert und damit meinen 38. Geburtstag eingeläutet. Ein paar Minuten später überreichte ein freudestrahlender Angestellter plötzlich eine großartige Torte und die sichtlich verunsicherte Belegschaft stimmte ein schräges Happy Birthday Mr. Paul an. Ein Moment, der aufgrund seiner Skurrilität noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Ich erwische mich regelmäßig dabei "Happy Birthday Mister Poohl" anzustimmen. Die Torte wurde vorher von Eva bestellt, zusammen mit der berechtigten Angst, man könnte den Namen vielleicht falsch schreiben. Aber das nüchterne, zuckerfarbige "Paul Weise" ließ jeden Zweifel verfliegen; die Reisepassnummer hätte ich mir vielleicht noch zusätzlich gewünscht.
Nach dem ausgiebigen Frühstück starteten wir mit dem Besuch des Königspalastes. Vom Aussichtsturm bietet sich hier ein Blick auf die restaurierten und teilweise nachgebauten Gebäude. Der Anblick wies Ähnlichkeiten zur verbotenen Stadt in Peking auf … nur mit deutlich weniger Besuchern.

Auch die Umin Thonze Pagode, die zur Abwechslung zu den ganzen Goldtönen mal in hellem blau strahlt ist ein absolute bezauberndes Motiv ... heutzutage sagt nennt man es wohl Instagram-Spot. Einer jungen Dame mussten wir hier viel Zeit schenken, damit sie im roten Kleidchen vor ihrer Kamera auf und ab stolzieren konnte ... den Blick keck über die Schulter gerichtet und in die Kamera zwinkernd. Naja, wer es braucht.

Ein weiteres Highlight war sicherlich die alte Königsstadt Inwa. Mit der Fähre gelangten wir problemlos auf die Halbinsel und wurden dort von gut einem Duzend Pferdekutschenfahrern angesprochen. Nach den ganzen Taxifahrten hatten wir aber eigentlich eher Lust auf einen Spaziergang und so geriet der erste Teil zu einem kleinen Spießrutenlauf. Immer freundlich wurden wir darauf hingewiesen, dass es doch "very very far" sei und man das nicht laufen könne. Das klappte dann aber eigentlich doch ganz gut. Ein Kutscher war hier besonders engagiert und "verfolgte" uns tatsächlich über mehrere Stunden. Selbst als wir einen für ihn unzugänglichen Weg einschlugen erwartete er uns freudestrahlend am anderen Ende - erneut mit dem guten Hinweis "very very far". Erst als sich unser Rundweg wieder dem Fähranleger näherte, drehte er bei und verließ uns. Die Leute müssen sicherlich um ihren Lebensunterhalt kämpfen aber wir hatten einfach keine Lust uns sprichwörtlich rumkutschen zu lassen. Hoffentlich hatte der arme Kerl bei anderen Touristen mehr Glück.


Auf dem Jademarkt treffen sich Menschen aus dem ganzen Land um mit den Mineralien in allen Verarbeitungsstufen zu handeln. Besucher müssen das Chaos und Gedränge eines viel zu klein dimensionierten Jahrmarkts ertragen können. Dicht gedrängt versucht hier jeder ein gutes Geschäft mit den Kostbarkeiten machen zu können. Hier kann man wahrscheinlich den ganzen Tag verbringen und würde immer wieder Neues entdecken können.


Das vermeintliche Highlight in Mandalay ist die U Bein Brücke, die längste Teakholzbrücke der Welt. Und Nein, der Name beruht nicht auf einer sonderbaren Verkrümmung von Fußballerstelzen. Die Brücke wurde vom Bürgermeister U Bein in Auftrag gegeben - an die Namensgebung muss man sich hier echt gewöhnen. Die Brücke war der letzte Tagespunkt auf unserer Liste - wir steuerten diesen am Abend an, um hier den "berühmten" Sonnenuntergang zu genießen. Natürlich hat jeder Fahrer in ganz Mandalay den gleichen Plan, so dass die Brücke vor Touristen nur so überquoll. Daneben gesellten sich Bettler und zwielichtige Gestalten, die sich ebenfalls auf die Brücke quetschten ... bei einer Höhe von ca. 5m ohne Geländer ein gefährliches Unterfangen. Die Unzufriedenheit machte sich in unserer Reisegruppe bemerkbar. Die Situation konnte gerettet werden, da Eva über Maps.me eine kleine Pagode in der Nähe fand, die fußläufig erreichbar war. Zwar hatten wir nun die berühmte Brücke im Rücken, aber der Sonnenuntergang über dem Taungthaman-See war dafür fantastisch und fast für uns allein.


Als Abschluss unseres 3-tägigen Aufenthalts in Mandalay entschieden wir uns für eine Bootsfahrt zu den Irrawaddy Delfinen … zu unserer Überraschung waren wir auf dem großzügigen Kahn die einzigen Gäste. Nach einer kurzen Präsentation auf dem Laptop unseres Guides genossen wir die lange Fahrt mit Kaffee und Bananen. Bereits das gemächliche Tukkern über den breiten Irrawaddy ist ein absolutes Erlebnis. Vorbei an Tempeln, Pagoden und Fischerdörfern ging es gemütlich zur vermeintlichen Delfin-Homebase. Wir wechselten hierzu in zwei kleine Fischerboote und wurden nun eine Stunde unter der glühenden Sonne herum gepaddelt. Die Bootsleute klapperten ein wenig mit einem Stück Holz am Boot und lockten damit die scheuen Flussdelfine an. Und tatsächlich konnte man die plattnasigen Wesen in einiger Entfernung erblicken. Mehrfach kamen ein Weibchen und ihr Junges kurz an die Oberfläche um direkt wieder abzutauchen. Die Kameras blitzten regelmäßig - mehr als einen verschwommenen Fleck in weiter Ferne vermochten wir aber nicht zu knipsen. Die entstandenen Bilder sind eher mäßig, die Erinnerungen daran dafür umso schöner.


Nachdem wir nach eine Stunde gut durchgebraten waren schipperten die Boote an eine kleine Sandbank. Hier durfte sich nun jeder von uns am Werfen eines Fischernetzes versuchen. Naturtalent ließ keiner von uns durchblicken und auch meine Leistung schien unserer Bootscrew nicht sonderlich zu imponieren ... dallerten sie doch lieber am Handy rum als mich mit Leib und Seele anzufeuern:

Nach einer "Erfrischung" im badewannenwarmen Wasser des Irrawaddy beschlossen wir den Ausflug mit einem Besuch eines Fischerdorfes. Hier gab's erstmal allerlei lustige Speisen und wir durften Einblicke ins Dorfleben sammeln. Natürlich gab es wieder die unvermeidliche Tanaka-Bemalung ins Gesicht und jeder von uns durfte sich beim flechten von Sonnenhüten versuchen. Mir kam die Ehre zuteil ein traditionelles Betelnusspäckchen zu probieren: also eine Mischung aus besagter Nuss, Tabak und Löschkalk als weißer Paste. Alles in einem Blatt der Betelnuss zusammen gepackt. Soviel sei gesagt: Es schmeckt ungesund und ist es wahrscheinlich auch. Der Speichelfluss erhöht sich sofort merklich und man möchte die ganze Zeit nur spuken. Immerhin habe ich die Dorfbewohner mit meinem angewiderten Gesicht belustigt.

(Tealeaf-Salad, kandierter Kürbis und Zwiebel-Reismehl-Puffer)

(Longyi binden)

(Zeug auf'm Schädel tragen)

(Hütchen knüppern)

(Gruppenbild mit Tourguide durfte natürlich auch nicht fehlen)
Zum Sonnenuntergang tuckerten wir wieder gemütlich zurück zum Hafen.


Nachdem wir wieder im Hotel abgeliefert wurden, durften wir dort noch die Dusche für Mitarbeiter nutzen und uns für die Weiterreise frisch machen. Je öfter wir ins Hotel kamen, desto mehr Leute hießen uns willkommen und kümmerten sich um unser Wohl. Natürlich gab es noch ein abschließendes Gruppenbild mit der ganzen Hotelbelegschaft bevor wir dann zum Busbahnhof kutschiert wurden. Next Stop: Bagan - die alte Königsstadt (mal wieder). Und natürlich nahmen wir erneut unseren heißgeliebten Nachtbus.
