Auf dem Weg nach Mandalay sollte der Inle Lake für ein paar Tage unser Reiseziel werden. Der Süßwassersee liegt Shan-Staat, einem Bezirk von Myanmar. Das Leben der Menschen ist hier komplett auf den See ausgelegt. Aber zuerst mussten wir dorthin gelangen, natürlich wieder mit dem beliebten Nachtbus.
Busfahren in Myanmar ist grundsätzlich ganz entspannt, sieht man mal von lauter Musik, schrägen Fernsehsendungen und ständigen Pausen ab. Pausen? Sind ja erstmal nicht verkehrt. Wird man aber zum x'ten mal kurz nachdem man aus der REM- in die Tiefschlafphase wechselt aus dem Bus gezwungen, wird es etwas nervig. Draußen muss man sich erstmal seines dicken Pullovers entledigen, der Temperaturunterschied zwischen den 16 Grad im Bus und der 30 Grad lauen Nachtschwüle lässt einen kurz mal schwer atmen. Wenn es gut läuft bekommt man eine Zeit genannt wie lange man sich nun vergnügen kann. Meistens reicht es aber den Einheimischen nachzueifern. Man setzt sich an einen der Tische der einfachen Küchen, bestellt Fried Rice, isst und bezahlt – alles innerhalb von 15 Minuten. Das System funktioniert gut, es bleibt noch genau die Zeit für den Toilettengang und weiter geht die wilde Fahrt. Wir hatten nie das Gefühl zurück gelassen zu werden, da immer brav durchgezählt wurde.
Gegen 3 Uhr in der Nacht hielt der Bus nun an einer Kreuzung in Shwe Nyaung. Unserer Meinung nach hätte er eigentlich bis Nyaung Shwe (ja, das ist wirklich ein anderer Ort) direkt am Inle-See durchfahren müssen, aber der Fahrer hatte anscheinend andere Pläne. Da Alex, Eva und ich die Einzigen waren, die nun hier im Nirgendwo rausgeschmissen wurden, waren wir zumindest skeptisch wie die Reise weiter gehen sollte. Die Antwort darauf hatte ein Taxifahrer, der "zufällig" bereits dort wartete. Für einen (für sonstige Verhältnisse) Wucherpreis von 20000 Kyat (rund 12€) fuhr er uns nun die letzten 12 km zum Hotel. Nachtzuschlag hin oder her, die Masche ist oft ähnlich: der Bus setzt einen soweit vom Ziel ab, dass es gerade nicht mehr zu erlaufen ist und Taxi- und Busfahrer teilen sich die nette Zusatzeinnahme. Ob das nun auch hier zutraf konnten wir nicht mehr abschließend klären, aber auch bei einigen Fahrten in den folgenden Ländern waren unsere Zielorte hin und wieder fraglich und folgten diesen Muster.
Der Inle-See ist als solches von Nyaung Shwe kaum zu erkennen. Für den ersten Tag, der nach unserer späten Ankunft erst gegen Mittag so richtig beginnen sollte, ließen wir uns von einem Tuk Tuk zum Weinanbaugebiet Red Mountain bringen. Neben einem tollen Essen und einer kleinen Weinverkostung genossen wir hier den Ausblick auf den See.

Zum ersten Mal hatte man das Gefühl auf touristisch etwas ausgetreteneren Pfaden zu reisen. Zum Abschluss gab es noch einen netten Sonnenuntergang, den wir von einem kleinen Kloster genießen konnten. Das Highlight des Inle Lakes ist aber nun nicht am Rand zu finden, sondern mitten darauf: die Pfahlbauten, schwimmenden Gärten und Klöster konnten nur auf dem Wasserweg besichtigt werden. Hier mussten nun reisetechnische Entscheidungen getroffen, da Betty bereits zwei Tage später mit dem Flieger in Mandalay ankommen sollte. Somit war die Entscheidung für einen Inlandsflug gefallen, zum Glück war dieser halbwegs bezahlbar. Eva buchte über Airbnb eine wunderbare Unterkunft in einem der zahlreichen schwimmenden Dörfer und wir bekamen von dieser gleich unseren persönlichen Bootsmann vermittelt.
Sehr früh am Morgen ging es los, der Bootsmann holte uns vom Hotel mit einem Moped ab … laufen war also angesagt, aber immerhin zwei Rucksäcke fanden auf dem Zweirad Platz. Startpunkt war das eigene Haus des Bootsmanns, welches direkt an einem ruhigen Ausläufer des Kanals lag. In Windeseile wurden Rucksäcke und Touristen verstaut und es ging direkt los. In überraschend bequemen Sitzen jagten wir mit dem ultraschmalen Boot durch die Wasserarme auf den offenen See. Bereits im Kanal staunt man über Pagoden, Wohnhäuser, Stege und Brücken ... die Menschen leben am, auf und im Wasser. Der erste Blick auf die riesigen Wasserbüffel, die ihrem Namen alle Ehre machen ist faszinierend.



Direkt am Eingang des Sees durften wir den traditionellen Einbeinfischern bei der Arbeit zuschauen. Auf einem Bein stehend, das andere Bein das Ruder bedienend, haben diese somit beide Hände für ihre Fischernetze und Reusen frei. Gefischt wurden von diesen beiden übrigens ausschließlich Geldspenden von Touristen. Ähnlich wie bei unserer Erfahrung mit den Kormoranfischern in China ist also auch diese Tradition nichts mehr als ein (wenn auch sehenswerter) Zirkus für Touristen.

Der Besuch eines Klosters, einer Silberschmiede, einer Seiden- und Lotusspinnerei und der schwimmenden Gärten standen auf dem Programm. Doch das eigentliche Highlight ist die Fahrt auf dem See mit unserem gut gelaunten Bootsmann und seiner kleinen Tochter. In einem Stelzenrestaurant gab es zwischendurch die dringend benötigte Stärkung in Form eines großartigen, grünen Tomatensalates mit Erdnüssen und frischem Fisch. Als Erfrischung gab es Bier. Hier muss unbedingt eine Anmerkung zur Bierqualität erfolgen: Myanmar Bier ... absolut empfehlenswert und mit 640ml endlich mal eine vernünftige Größe.

Am Abend steuerten wir unsere Unterkunft an: Ein Stelzentraum mit einem tollen Blick auf den Sonnenuntergang. Das Abendessen, dass unsere Gastgeberin zauberte war sensationell. Es gab Fisch, garniert mit Fisch. Verschiedene Salate, eine Kürbis-Kartoffel-Pfanne und der obligatorische Reis rundeten das Festmahl ab. Wir haben vor der Reise nach Myanmar einige kritische Stimmen gehört, das Essen könne den Vergleich mit anderen südostasiatischen Ländern nicht standhalten. Das mag sicher stimmen wenn man die Vielfalt der Gerichte betrachtet. Aber wenn man nicht immer nur Fried Rice oder Fried Noodles bestellt bekommt man oft leckere, toll gewürzte Speisen.


(Blick von "unserer" Terasse)
Da wir am nächsten Tag gegen Mittag unseren Flieger erwischen wollten, konnten wir den Vormittag noch nutzen um ein paar weitere Ziele auf dem Weg abzuklappern. Das Highlight hier: Der In-Dein-Pagodenwald. Gerade die alten, verfallenen Steingebilde strahlen eine ganz besondere Atmosphäre aus.


Den wunderschönen Hintergrund haben wir gleich mal für ein CD-Cover-Posing genutzt:

Durch den Kanal ging es nun wieder zum Ausgangspunkt unseres Wasserabenteuers. Auf das Taxi zum Flughafen durften wir im Haus unseres Bootsmanns warten. Dieser präsentierte es uns stolz, genau wie seine Familie und seine schwangere Frau. Zauberhaft und unglaublich herzlich sind diese Menschen. Und trotzdem bleibt sein zu Hause eine offene Bretterhütte mit außen liegendem Klo und, nun ja, dem Flair einen Gartenschuppen. Wohnen möchte hier sicherlich niemand von uns aber wie glücklich die Leute mit ihrer Situation sind bringt einen trotzdem zum Nachdenken über den eigenen gewünschten Lebensstandard.
Mit dem Taxi ging es dann zum Provinzflughafen Heho. Und Provinzflughafen trifft es hier wirklich. Noch nie haben wir einen kleineren Flughafen gesehen: kein Gepäckband, es wurde händisch befördert; keine elektrischen Anzeigetafeln, auch hier tauschte ein Mitarbeiter Klapptafeln aus; und ein Flugzeug, dass mit nicht mehr als 10 Passagieren nur zu einem Viertel gefüllt war. Dass sich der Flug um eine Stunde verspätete konnten wir verkraften. Die Vermutung liegt nahe, dass unser Flug einfach wegen zu geringer Personenzahl ausfiel und mit dem Nachfolgeflug zusammengelegt wurde. Im Sinne der Umwelt … Daumen hoch. "Leidtragende" war eigentlich eher Betty, die etwas länger am Flughafen in Mandalay auf uns warten musste. Alles halb so wild und für die Übernachtung auf dem Inle Lake war es das auf jeden Fall wert.

Eine Bootsfahrt geht einfach immer:
