Die meisten Touristen machen einen Bogen um Naypyidaw. Grundsätzlich auch zu Recht, gibt es doch weitaus schönere Orte in diesem riesigen Land. Die Planstadt wurde erst 2005 als neue Hauptstadt von Myanmar festgelegt. Der Großteil der Menschen lebt aber weiterhin in Yangon und Mandalay. Wir gaben der "Geisterstadt" eine Chance und wollten diesen skurrilen Ort zumindest für einen Tag erleben. Los ging es bereits mitten in der Nacht, als wir dem Busfahrer klar machten, dass wir genau hier und jetzt sofort aussteigen möchten.
Eine Hotelanlage reihte sich an die andere. Ein paar wenige Meter zu Fuß und wir landeten in unserer Unterkunft. Die 24-Stunden-Rezeption war zum Glück besetzt und mit dem Golfcar ging es zu unseren Zimmern. Am frühen Morgen erwartete uns ein reichhaltiges Frühstücksbuffet. Zwei Bedienungen kümmerten sich um uns, augenscheinlich waren wir hier die einzigen Gäste. Es ging also hier bereits so los, wie man es für dieses Reiseziel erwarten würde … leer. An Auswahl mangelte es beim Frühstück nicht und auch unsere zwei Hotelmitarbeiter hatten ausschließlich uns im Blick. Naypyidaw besteht aus riesigen, durch mehrspurige Straßen verbundene Bereiche. Hotels, Regierungsgebäude, Wohneinheiten und Einkaufszentren … alles sauber voneinander getrennt. Mit einem privaten Fahrer ließen wir uns zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt chauffieren. Als erstes auf der Liste: der 20-Lane-Highway. Eine ungelogen 20-spurige Autobahn, die an den Regierungsgebäuden vorbei führt. Der Witz daran: es fährt hier fast kein Auto, da diese Straße sowieso plötzlich im Nichts endet.

(das rot-weiß-gestreifte ist übrigens erst die Mittellinie)
Im Grunde war es das auch schon mit den erwähnenswerten Sehenswürdigkeiten. Klar, es gab noch eine menschenleere Pagode, verhaltensgestörte "rosa" Elefanten, die einen traurigen Anblick boten und den riesigen Water-Fountain-Park, einer Art Wasser-Spielplatz-Park-Anlage. Gerade das letzte Ziel mit seinen ungenutzten und bereits in die Jahre gekommenen Anlagen bot eine sehr spezielle Stimmung.


(selbst der Imbissmann wollte lieber schlafen als uns einen Pott Nudeln zu kochen)
Hin und wieder gibt es aber anscheinend tatsächlich Besucher: Auf dem Rückweg durch den Park planschte, im vorher noch komplett verwaisten Schwimmbecken, eine Gruppe junger Mönche. Die braunen Kutten fein säuberlich über das Geländer gehängt stürzten sich die Jungmönche freudeschreiend die Rutsche herunter. Fotos gibt es von dem Schauspiel natürlich keine ... aus Angst vor Buddha. Dafür nochmal 'ne Pagode:


(Pagodenbesichtigung? Da heißt es Longyi umgewickelt, Schuhe aus und los geht's)
Dass Naypyidaw nicht die erste touristische Adresse in Myanmar ist hat schon seinen Grund. Interessant ist es aber allemal und versprüht seinen ganz eigenen Reiz. Länger als diesen einen Tag hätten wir aber auch ungern geopfert und somit ging es am Abend direkt weiter Richtung Norden zum Inle-Lake, einem echten Highlight unseres Myanmar-Aufenthalts. Achja, befördert wurden wir diesmal in einem Bus mit einer geringfügigen Beschädigung der Frontscheibe - egal, ist ja nicht im Sichtfenster des Fahrers ![]()

Das Video beschreibt unsere Aktivitäten in Naypyidaw eigentlich ganz gut:
